16. Oktober | Druck erzeugt Gegendruck – Wie man schwierige Konflikte mit Leichtigkeit löst (Teil 1)

Wenn wir Kommunikation dazu nutzen den anderen unter Druck zu setzen, dann wird uns gleiches widerfahren. Druck erzeugt meistens Gegendruck.

Die reinste und respektvollste Kommunikationsform basiert hingegen auf Bedürfnisäußerung und Bedürfniserfüllung um nicht zu sagen auf achtsamer Kommunikation.

Im Fokus stehen dabei die eigenen Emotionen, Bedürfnisse und Interessen die mit Ich-formulierte-Botschaften zum Ausdruck gebracht werden können, wie z. B. „Ich wünsche mir…“, „Ich brauche…“, „Ich glaube…“, „Damit ich gut mit dir arbeiten/leben kann, benötige ich…“.

Das klingt möglicherweise im ersten Moment sehr eigenartig, funktioniert aber, weil damit unbewussten Urteilen und Angriffen praktisch der Wind aus den Segeln genommen wird.

Richtig angewandt wird damit ein Wunsch entweder erfüll- oder diskutierbar.

Wenn man das in der beruflichen oder partnerschaftlichen Praxis anwendet wird damit schon vieles leichter. Vor allem dann, wenn der andere das Bedürfnis mit Leichtigkeit erfüllen kann.

In den meisten Fällen ist das möglich. Die wenigsten Menschen sprechen von unerreichbarem Zielen. In den meisten Fällen aber scheitert es an der Grundlage dieser Art von Kommunikation.

Aber auch bei der klarsten und besten Kommunikation kann es natürlich nach wie vor zu Konflikten kommen. Nämlich dann, wenn sich zwei geäußerte Bedürfnisse gegenüberstehen.

Wie kann man solche Konflikte lösen?

Man muss hier sicherlich zwischen partnerschaftlichen oder kollegialen Beziehungen auf Augenhöhe und hierarchischen Strukturen wie z. B. zwischen eine Führungskraft und einem Mitarbeiter oder zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer unterscheiden.

Betrachten wir zunächst den Kontext von Partnerschaften: Wie können solche Konflikte in Partnerschaften gelöst werden?

In gleichberechtigten und gleichwertigen Beziehungen, stehen in solchen Fällen manchmal zwei Bedürfnisse auf Augenhöhe gegenüber und es ist keine Lösung in Sicht. Dann gibt es einen offenen oder verdeckten Konflikt.

Das passiert natürlich umso öfters umso gesünder die Beziehung aufgebaut ist. Denn eine gesunde Beziehung basiert auf der Form der Gleichwertigkeit, dem gleichen Recht auf Bedürfnisäußerung und -erfüllung.

Welche Möglichkeiten gibt es in einem solchen Fall? Wichtig ist zunächst einmal zu erkennen und sich bewusst zu machen, dass sich tatsächlich zwei Bedürfnisse unauflösbar gegenüberstehen. Beide Seiten sollten diese Erkenntnis haben. Das hat zudem den Vorteil, dass man einen verborgenen Konflikt schon einmal zu einem offenen und sichtbaren Konflikt macht. Erst dann wird ein verborgener Konflikt überhaupt lösbar.

Das geht natürlich nur oder besser, wenn beide Parteien sich wirklich auch gleichwertig und gleichberechtigt fühlen, sowie dann von sich, ihren Gefühlen und Zielen sprechen.

Das zu formulieren ist Schritt 1 und die Grundvoraussetzung zur Lösung. Diesen Gegensatz zu erkennen ist schließlich Schritt 2 und das ganze aufzulösen dann die Königsdisziplin.

Wenn man will, kann man Schritt 2 durch Aufschreiben visualisieren: „Ah, das ist also unser Konflikt. Interessant! Hier steht Bedürfnis A also gegen Bedürfnis B.“ Wenn man sich diesem Aspekt bewusst wird, ist bereits viel getan. Das nimmt viel Reibungskraft.

Wie lässt sich ein solcher Konflikt schließlich auflösen? In gleichberechtigten Beziehungen findet sich bei gegensätzlichen Bedürfnissen entweder ein Kompromiss bei dem einer nachgeben muss oder es findet sich eine andere Lösung. Der einfachste Fall ist natürlich nach wie vor das einfach jemand das Bedürfnis erfüllen kann. Dazu muss es nachvollziehbar formuliert sein. Ein negativer Satz ohne tatsächliche Handlungsanweisung hilft da relativ wenig.

Ein Beispielsatz „Ich fühle mich nicht respektiert.“ Kann nicht vom Gegenüber erfüllt werden. Der Satz muss positiv und als Wunsch formuliert sein, z. B.: „Ich fühle mich von dir respektiert, wenn du mir einmal pro Monat Blumen mitbringst.“ Dieser Satz ist erfüllbar – auch wenn er vielleicht für den ein oder anderen nicht viel Sinn ergibt. Das ist ja das konträre in Beziehungen: Zwei Ansichten und Weltbilder stehen sich gegenüber. Es bedarf an Empathie und Verständnis dem Wunsch des anderen nachzugehen.

Wenn das nicht möglich ist, kann man natürlich auch zum Entschluss kommen, dass man sich nicht einig wird. Dann ist es im ersten Moment möglicherweise sinnvoll eine Pause einzuberufen bevor man alle Energie auf den Konflikt richtet und nicht weiterkommt.

Man kann jedoch auch den Satz verhandeln: „Wie genau meinst du das, was haben die Blumen mit dem Respekt zu tun?“. Auf diese Art und Weise erfährt man etwas mehr über die Tiefenstruktur des anderen und sein wahres Grundbedürfnis.

Das ist aber schon fast die Meisterschaft, wenn es einem auf diese Art und Weise gelingt eine Lösung herbeizuführen.

Nehmen wir mal an auch das gelingt nicht, dann hilft die besagte Pause.

Alternative: Zeitlicher Abstand

Mit hoher Wahrscheinlichkeit findet sich mit etwas Abstand eine andere Lösung. Manchmal fällt einem selbst eine Idee ein oder man stößt vielleicht in einem Buch oder ein Gespräch darauf. Es kann ein Werbeclip sein, ein Radiosprecher oder selbst ein Film der einem weiterhelfen kann. Alles ist mit etwas Geduld und Gelassenheit möchte.

Falls das über längeren Zeitraum nicht der Fall ist und die Fronten derart verhärtet sind das sich wirklich kein Entgegenkommen oder Wachstum zeigt, muss man sicherlich nach anderen Alternativen schauen. Das kann eine Moderation durch einen Dritten, ein Einzelcoaching oder natürlich im Ernstfall auch schließlich, je nach Art des Konflikts, leider tatsächlich die Trennung sein.

In den meisten Fällen jedoch lassen sich Konflikte sicherlich ohne Trennung lösen. Ich würde sogar behaupten das in 98 % der Fälle gelingt.

In den einfachsten Fällen wie gesagt natürlich indem geäußerte Bedürfnisse einfach erfüllt werden – vorausgesetzt man geht keinen faulen oder bequemen Kompromiss ein, sondern prüft wirklich ob man dem anderen das Verständnis zu 100% geben und nachgeben kann.

Was aber, wenn keine Zeit zum Warten ist und keine Lösung in Sicht ist?

In den meisten Fällen hilft sicher Ablenkung und Abstand um zu einer Lösung zu kommen oder sie zu entwickeln. Wenn aber sofort eine Entscheidung gefällt werden muss, weil andernfalls große Verluste oder Gefährdungen drohen, was dann?

Wenn tatsächlich dieser selten Fall auftritt das eine Entscheidung unmittelbar getroffen werden muss, dann muss sie schließlich von einer Partei übernommen werden.

Es gibt solche Situationen tatsächlich im Leben, Momente in denen es wirklich nicht anders geht. Allerdings ist das sehr selten, mir persönlich ist das in 10 Jahren ein oder zweimal so gegangen. Dann muss man eine Entscheidung treffen, einen Weg einschlagen und rückblickend darüber sprechen.

Zusammengefasst haben wir damit folgende Lösungsstrategien für Konflikte in gleichberechtigten und gleichwertigen Partnerschaften:

  1. Bedürfnis artikulieren / erfüllen
  2. Nachgeben
  3. Kompromiss finden
  4. Alternative Lösung finden
  5. Abstand gewinnen und Pause machen
  6. Beziehung im seltenen, nicht auflösbaren Fall trennen
  7. Im dringenden Ernstfall einfach eine Entscheidung treffen

In geschäftlichen Beziehungen sind die Lösungsstrategien meist etwas anders.

Darüber schreibe ich in einem der nächsten Beiträge. Sei gespannt!

Falls du ein Coaching nutzen willst um das Ganze zu reflektieren oder einen Konflikt, egal ob beruflich oder privat gewinnbringend lösen willst, dann nehme gerne Kontakt für ein kostenpflichtiges Coaching auf.

Jetzt erstmal vielen vielen Dank fürs Lesen! Ich hoffe das ich dir etwas weiterhelfen oder Klarheit bringen konnte! Dahinter steckt sicherlich ein sehr komplexes Thema das mit etwas Arbeit gelöst werden kann.



Hast du Fragen oder Einwände? Gefällt dir der Beitrag? Dann gib mir gerne Feedback auf Social Media.

Willst du mehr Updates über solche Beiträge? Dann folge mir auf Facebook und Instagram.

2 Gedanken zu „16. Oktober | Druck erzeugt Gegendruck – Wie man schwierige Konflikte mit Leichtigkeit löst (Teil 1)“

Kommentare sind geschlossen.