Was passiert, wenn ein Startup oder ein Unternehmensbereich zu schnell wächst?

Wenn ein Unternehmen in kürzester Zeit von 0 auf 100 oder mehr Mitarbeiter nach oben schießt, sich die Umsatz- oder Kundenzahlen drastisch verdoppeln oder vervielfachen dann dauert es meist nicht lange bis das Unternehmen relativ schnell stagniert oder sich negative Folgen für das Unternehmen entwickeln. Dabei müssen diese Folgen nicht unbedingt in Zahlen messbar sein. Oftmals sind sie es aber.

Selbst wenn kurzfristig die Gewinne steigen, bedeutet das längst kein nachhaltig gutes Unternehmensergebnis

Menschen die mit einem solchen Unternehmen in Kontakt stehen, sagen Dinge wie: „Wenn du dort arbeitest, ist es wie in einem Haifischbecken.“ oder „Von außen gut, von innen schlecht“, „Ich wurde vollkommen ausgelotet. Mir wurde irgendwann nicht mehr weitergeholfen.“, „Keine Ahnung was die dort fabrizieren, aber momentan scheint etwas ziemlich aus den Fugen zu laufen.“, „Schlechte Erfahrung, nicht zu empfehlen“ oder „Es gibt ein Führungs- oder Managementproblem.“

Den wenigsten ist dabei bewusst, das dieses Unternehmen längst einen externen Organisationsberater braucht.

Kickertisch und Champagner als Symptom nachhaltiger Kundenprobleme

Wächst ein Unternehmen zu schnell, dann wird nach und nach offensichtlicher, das es einzelne Menschen in dem Gesamtsystem gibt die möglicherweise sehr gut durchstarten und fast schon übervorteilt werden aber viele andere bleiben im Durchschnitt hängen oder scheiden aus. Es gibt kein ausbalanciertes Wachstum. Menschen bleiben enttäuscht zurück und Wachstum stagniert oder es sind massive Aufwände erforderlich um dem entgegen zu wirken.

Fluktuation steht meist für „kurzfristiges Denken“

Fluktuation und Wechsel gehören sicherlich zum normalen Lebenszyklus eines Unternehmens dazu, wenn aber in kurzer Zeit entweder zu viele Menschen ab- oder aufspringen, dann verliert das Unternehmen nicht nur seine Identität und seine Werte, sondern dann steht auch das Unternehmensgebäude schnell auf wackligen Füßen. Das spüren letztlich dann auch die Kunden: Im innen, so wie auch im außen. Es gibt viele Diskussionen, Konflikte und Reibungspunkte.

Selbst wenn Mitarbeiter mit Limosinen und Champagner feiern können oder das Leben an Tischkickern, Playstations und Grillfeiern genießen, werden sich Kunden im Laufe der Zeit mehr und mehr fragen wo die gebliebenen Versprechen bleiben, die sie gekauft haben. Unmut entsteht. Die Reputation des Unternehmens oder des Eigentümers leidet. Meistens völlig berechtigt und seien wir mal ehrlich: auch gute Kunden, Mitarbeiter und Neukunden sind irgendwoe begrenzt.

Woran erkennt man, das ein Unternehmen zu schnell oder negativ wächst?

  • Negatives Kundenfeedback, Reklamationen
  • Kunden wollen nicht mehr bezahlen
  • Kunden kaufen nicht weiter
  • Kunden empfehlen das Produkt oder die Dienstleistungen nicht mehr eigenständig weiter
  • Selbst massives Marketing, kostenlose Produkte und Incentives helfen nicht den Verkauf anzukurbeln
  • Mitarbeiter springen ab, leisten „Dienst nach Vorschrift“ oder brennen aus
  • Lieferanten begrenzen ihre Zuarbeit auf das Wesentliche
  • Innovationen und herausragende Leistungen können nicht mehr erreicht werden, ganz im Gegenteil, die Konkurrenz hebt sich ab, Kunden wechseln
  • Die Wettbewerbsfähigkeit sinkt: andere werden schneller oder besser
  • Authentizität und die Kernwerte des Unternehmens oder des Unternehmers gehen verloren

Die Gefahr der hohen Fluktuation

Verliert ein Unternehmen zu viele Menschen, egal ob Mitarbeiter oder Kunden, dann gehen die tragenden Systemsäulen verloren. Sie müssen sich das vorstellen als geht mit jedem Menschen ein wichtiger Wissens-, Kompetenz- und Energieträger verloren.

Jemand der praktisch die Strukturen, Menschen und Prozesse kennt. Das ist ein Mensch in den bereits schon massiv investiert wurde, jemand der selbst bereits massiv bezahlt hat. Der Verlust einer solchen Person ist dabei meist mit Geld kaum zu bemessen. Es ist wie wenn ein Familienmitglied geht. Allerdings auf eine andere Form, denn geht ein Mitarbeiter oder ein Kunde, dann wird er seinen neuen Weg kommunizieren und alles was er sagt – verbal oder non-verbal spricht schließlich gegen Ihr Unternehmen.

Durch einen verlorenen Kunden oder Mitarbeiter, gehen mindestens 7 weitere verloren.

Das Unternehmen muss plötzlich viel mehr Anstrengungen unternehmen um diese Situation durch Wachstum aufzufangen. Das Marketing und der Vertrieb brechen womöglich ein. Warum? Weil die primäre Verkaufssäule plötzlich nicht mehr wirkt: die eigenständigen Weiterempfehlungen, die sich vorher fast wie automatisch verbreitet haben.

Also sinkt die interne Qualität, dann sinken auch die Weiterempfehlungen. Oder wie Deming sagen würde:

Unternehmen müssen nicht wegen schlechter Arbeitsqualität, sondern allein wegen schlechter Führung schliessen.

Typische Startups und Unternehmensbereiche kommen irgendwann an einen Punkt, an dem Führung entscheidend für den Erfolg wird.

Wenn ein Startup aus den Kinderschuhen wächst, dann ist das häufig daran zu erkennen, das die meisten Mitarbeiter tierischen Spaß haben und feiern. Doch das ist die Vorderbühne. Wenn das passiert, dann weiß ich als Organisationsentwickler das auf der Hinterbühne gerade alles einbricht: Kunden springen ab, schlechte Rückmeldungen gehen ein, Verkaufszahlen gehen runter, Herausforderungen können nicht mehr bewältigt werden, Einwände einzelner Mitarbeiter können nicht mehr integriert werden. Alles läuft eigentlich auf Hochtouren um den Status Quo aufrecht zu erhalten. Doch ich weiß auch: Mehr vom selben, führt nur zu mehr selben Ergebnissen. Häufig kann die notwendige Änderung von innen heraus NICHT erfolgen.

Plötzlich fehlt es an allem: Lösungen, Zeit, Strukturen, Kompetenzen und vor allem Marktgeschwindigkeit. Die Unternehmen mit samt allen Mitarbeitern sind meistens massiv überfordert ohne es zu wissen. Es ist nur erkenn- und spürbar das irgendetwas falsch läuft. Aber nur die wenigsten nehmen diese Tatsache bewusst war.

Kritische Mitarbeiter werden plötzlich ausgelotet

Das spannende aber ist, das diese Menschen oftmals genau dafür gehasst werden. Sie verderben natürlich allen anderen den Spaß und den neuen Lifestyle. Dabei haben die Skeptiker genau an diesem Punkt oftmals Recht. Denn sie ahnen voraus, das die Qualität sinkt und das dies im Unternehmen zu unlösbaren Problemen führen wird, wenn nicht adäquat darauf reagiert wird.

Einwände müssen integriert werden. Das sagt uns jeder Organisationsexperte. Widerstand ist nicht nervig, sondern das lehrreichste was passieren kann. Es wird dann gefährlich wenn alle im Unternehmen einer Meinung sind und die „Gegner“ nicht mehr da sind und ihr Potential woanders einbringen wo sie mehr Wertschätzung oder Lohn erfahren.

Alle anderen im Unternehmen mögen diese Menschen natürlich nicht, denn solange sie dem Chef oder dem Eigentümer GEFALLEN und seinen Wertschätzungen unterliegen, fühlen sie sich sicher. Doch kein Unternehmen ist sicher, wenn es nur dem Eigentümer oder dem Inhaber gefällt. Das Unternehmen und dessen Ergebnisse müssen dem Kunden gefallen. Das zu erkennen erfordert allerdings massive Weitsicht und wird oftmals vom Einheitsbrei und hartem Konkurrenzkampf im Unternehmen geschluckt.

Oder… wieder… wie Deming sagen würde:

Du arbeitest nicht für den Chef, sondern für den Kunden.
Wer vorankommen will, muss zuerst die Eltern, dann die Lehrer und schliesslich die Vorgesetzten zufriedenstellen.

In einer auf Qualität statt Quantität ausgerichteten Tätigkeit hat diese Überzeugung keinen Platz mehr. Die Zufriedenheit des Kunden ist Verpflichtung für Mitarbeiter und Vorgesetzte gleichermassen.

Schade das Deming inzwischen verstorben ist. Er könnte sicherlich vielen Unternehmen und Startups an diesem Punkt helfen. Dennoch sind seine Lehren geblieben, wofür wir dankbar sein können.

Glücklicherweise gibt es kompetente Unternehmens-Coaches die in seinem Wissen schulen.

Kontaktieren Sie mich gerne, wenn Sie ein solches Unternehmen kennen das gute und schnelle Hilfe braucht. Ich bin mir sicher das ich an diesem Punkt weiterhelfen kann.

P.S. Die meisten Unternehmen folgen an diesem Punkt der typischen „Teile und Herrsche“-Logik aus dem alten Industriezeitalter. Aber auch das ist oftmals nicht die wirkliche Lösung:

Wenn wir ausgehend (…) Mitarbeiter und Gruppen (…) in Ringe einschliessen und dadurch voneinander trennen und konkurrenzierende Bestandteile schaffen, dann geht das System verloren.

Es zerstört sich selbst. Genau das wird sich einstellen, ja, genau das! Wenn Sie ein System in konkurrenzierende und damit riva lisierende Elemente auflösen, verlängern Sie zudem die Zeit von der Idee eines Produktes bis zur ersten Auslieferung an den Kunden. Sie behindern die Abläufe durch unnötige interne Auseinandersetzungen und verursachen damit Verluste. Die Grösse solcher Verluste ist nicht messbar.

Wiliam Edwards Deming, Pionier des Qualitätsmanagement, Physiker und Statistiker des letzten Jahrhunderts

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