
Album: Hauptsache ICH!
Songtext
[Intro]
[rap spoken]
Alle reden über Krisen, doch die Timeline bleibt bunt,
Filter über jeden Riss, wir halten alles im Mund.
Wir tun so, als wär alles easy, als wär alles okay,
solang der Drink kalt bleibt und der Flieger geht.
[Verse 1]
Wir scrollen aneinander vorbei, als wär’n wir bloße Profile,
Schlagzeilen brennen wie Sirenen, doch wir muten die Signale so stile.
Dein Frust blitzt kurz in meiner Story auf,
aber ich tipp‘ schnell weiter, bleib im Algorithmuslauf.
Du redest von den Preisen, von der Miete, die dich frisst,
und mein Kopf rechnet stumm: Was kostet mich, wenn mich das jetzt mit betrifft?
„Erstmal Urlaub“ klingt gut, wie ’ne Exit-Idee,
mein Konto ist leer, doch mein Wille bequem, mein Ego sagt: „Geh“.
Wir buchen uns raus, all inclusive im Kopf,
Cocktail in der Hand, während daheim alles tropft.
Die Straßen voll Fragen, doch wir hör’n nur den Beat,
solang die eigene Playlist läuft, sehen wir den Rest hier nicht.
[Chorus]
„Erstmal Urlaub“ – leiser als ein lautes Nein,
sie steckt im Wegschau’n, im „Wird schon nicht so schlimm sein“.
Wir halten Abstand von dem, was im eigenen Land brennt,
solang das Selfie sitzt und die Sonne uns kennt.
Wir lieben die Stories von Helden im Film,
solang wir selbst nicht fühlen, wie kalt es wirklich ist im Wind.
Comfort-Zone trägt Sneaker, Sonnenbrille und Duft,
flüstert: „Dein Chill ist wichtiger als ihre Luft“.
[Verse 2]
Die Probleme stapeln sich wie unbezahlte Rechnungen im Flur,
wir schieben sie hinter Türen, posten lieber Strandmotiv pur.
Solang der Berg unsichtbar bleibt, bleibt auch die Fassade heil,
wir kleben die Risse mit Memes, Events und Lifestyle.
Jeder ungelöste Knoten zieht langsam an der Stadt,
wir nennen es einfach „News“, „Politik“, „dieser ganze Quatsch“.
Wir sagen: „Ich brauch Auszeit, ich hab‘ grad kein‘ Nerv“,
und merken nicht, wie aus „später“ Schritt für Schritt „nie mehr“ wird, schmerz.
Wir jammern im Flieger über WLAN und Platz,
während jemand im Zug zur Schicht schon seit Nächten nicht mehr schlaf hat.
Wir seh’n die, die fallen, nur als Störung im Bild,
doch jeder Sturz erzählt, was uns allen passiert.
[Chorus]
„Erstmal Urlaub“ – leiser als ein lautes Nein,
sie lebt im Ausredenfinden, im „Wird sich schon irgendwie einrenken“-Schein.
Wir schieben alles vor uns her wie ’ne Wolke aus Staub,
um nicht zu checken, dass Veränderung Mut braucht, nicht nur Glaub‘.
Wir blenden die Tränen der anderen aus,
weil jedes echte Gefühl bei uns selbst Türen sprengt im inneren Haus.
Egoismus klingt wie Selbstschutz, wie smarte Strategie,
doch am Ende bleiben wir einsam in ’ner überfüllten Melodie.
[Bridge]
Vielleicht fürchten wir nicht die Lage im Land,
sondern die Version von uns, die entsteht, wenn man wirklich hinschaut und nicht weg kann.
Die Person, die Verantwortung trägt,
die nicht mehr sagen kann: „Die da oben“, wenn das Fundament sich bewegt.
Wir sagen: „Ich muss raus hier“, und meinen: „Ich will mich nicht stellen“.
Wir reden von „Me-Time“, doch bauen Mauern statt Brücken und Wellen.
Doch während wir uns in Sicherheit wähnen, gut isoliert,
fragt leise ’ne Stimme: „Was bleibt von dir, wenn keiner mehr mit dir marschiert?“
Vielleicht ist echter Urlaub nicht Strand, nicht Meer,
sondern Pause vom Wegseh’n, vom inneren Lärmverkehr.
Das Ticket ist ehrlich sein, der Koffer ist Mut,
und die Rückkehr ist anders, wenn du wirklich hinschaust und was tust.
[Outro]
Vielleicht beginnt Wandel da, wo wir den Blick nicht mehr drehen,
wo wir lernen, Stand zu halten, auch wenn Zahlen und Nachrichten weh tun beim Seh’n.
Wenn wir checken, dass jedes ungelöste Problem
nicht nur Last, sondern Einladung ist, aufzustehen.
Dass Verantwortung nicht nur nervt, sondern Kräfte entfacht,
wenn du merkst: Dein kleiner Schritt hat mehr Macht, als du gedacht.
„Erstmal Urlaub“ wird dann zu „Erstmal hinsehen“ im Plan,
und der Mensch neben dir ist kein Störgeräusch,
sondern der Spiegel, der dir zeigt,
wie viel du wirklich ändern kannst – wenn du heute endlich anfängst, Mann.