{"id":20321,"date":"2026-09-16T14:18:20","date_gmt":"2026-09-16T12:18:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.patrick-koglin.com\/?p=20321"},"modified":"2026-09-16T14:18:25","modified_gmt":"2026-09-16T12:18:25","slug":"das-stille-spiel-um-ueberlegenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.patrick-koglin.com\/en\/2026\/09\/das-stille-spiel-um-ueberlegenheit\/","title":{"rendered":"Das stille Spiel um \u00dcberlegenheit"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Wenn Leistung zum Beweis wird<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Mitarbeiter, der l\u00e4nger bleibt. Der Kollege, der noch ein zus\u00e4tzliches Projekt \u00fcbernimmt. Der Unternehmer, der seine 70-Stunden-Wochen beschreibt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann ist da der Manager, dessen Kalender kaum noch freie Zeit kennt. Der Arzt, der zwischen Sprechstunde, Forschung, Kongressen und Verwaltung noch die n\u00e4chste Qualifikation absolviert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von au\u00dfen ist das zun\u00e4chst kaum von hoher Leistungsbereitschaft zu unterscheiden: Menschen arbeiten viel, \u00fcbernehmen Verantwortung, verfolgen Ziele und investieren Zeit in ihre Profession.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant wird es dort, wo Leistung eine zweite Funktion bekommt: Status, \u00dcberlegenheit, Macht und Position. Dann geht es nicht mehr ausschlie\u00dflich um das Ergebnis. Leistung wird gleichzeitig zu einem Mittel, um die eigene Position gegen\u00fcber anderen sichtbar zu machen. Nicht nur: <strong>Was habe ich erreicht?<\/strong> Sondern auch: <strong>Was sagt das \u00fcber mich im Vergleich zu anderen aus?<\/strong> Wo und wie bin ich besser als andere?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit beginnt ein psychologisch interessantes Spiel, das gerade in leistungsorientierten Milieus ausgesprochen gut funktionieren kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ab wann wird Leistung zum Beweis?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leistung kann einen sehr einfachen Zweck haben. Ein Problem soll gel\u00f6st, ein Unternehmen entwickelt, ein Patient behandelt, ein Forschungsprojekt abgeschlossen oder ein Kunde gewonnen werden. Entscheidend ist dann das Ergebnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem sozialen Wettbewerb kommt eine weitere Dimension hinzu: Wer war schneller? Wer hat mehr erreicht? Wer tr\u00e4gt mehr Verantwortung? Wer verdient mehr? Wer hat das gr\u00f6\u00dfere Unternehmen? Wer ver\u00f6ffentlicht mehr? Wer ist gefragter? Wer arbeitet l\u00e4nger?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Leistung selbst ver\u00e4ndert sich dadurch nicht. Ihre soziale Bedeutung ver\u00e4ndert sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Arbeitszeit wird zum Signal f\u00fcr Bedeutung. Belastbarkeit wird zum Signal f\u00fcr St\u00e4rke. Verf\u00fcgbarkeit wird zum Signal f\u00fcr Relevanz. Umsatz wird zum Signal f\u00fcr unternehmerische Kompetenz. Ein voller Terminkalender wird zum Signal f\u00fcr Nachfrage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grenze zwischen tats\u00e4chlicher Wertsch\u00f6pfung und sozialer Demonstration wird dabei zunehmend unscharf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum kann \u00dcberlastung wie Erfolg aussehen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein bemerkenswertes Ph\u00e4nomen moderner Leistungskulturen besteht darin, dass Belastung teilweise selbst zum Statusindikator wird.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u201eIch habe gerade keine Zeit.\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>\u201eDiese Woche ist komplett voll.\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>\u201eIch bin erst um 23 Uhr aus dem B\u00fcro gekommen.\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>\u201eAm Wochenende muss ich noch nacharbeiten.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solche Aussagen beschreiben zun\u00e4chst eine Situation. Im sozialen Kontext k\u00f6nnen sie gleichzeitig eine Botschaft transportieren: <strong>Ich bin wichtig. Ich werde gebraucht. Ich kann viel tragen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das macht die Dynamik so schwer erkennbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn hohe Belastung kann tats\u00e4chlich aus hoher Verantwortung entstehen. Sie kann aber auch daraus entstehen, dass Prozesse schlecht organisiert sind, Entscheidungen unn\u00f6tig lange dauern, Grenzen fehlen oder jemand seine eigene Bedeutung \u00fcber permanente Verf\u00fcgbarkeit stabilisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beides kann von au\u00dfen nahezu identisch aussehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was passiert psychologisch, wenn der Kollege zum Ma\u00dfstab wird?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sozialpsychologie besch\u00e4ftigt sich seit Jahrzehnten mit sozialem Vergleich. Menschen beurteilen die eigene Position nicht ausschlie\u00dflich anhand absoluter Kriterien, sondern auch anhand anderer Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im beruflichen Umfeld ist das besonders relevant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer betrachtet nicht nur seinen Umsatz, sondern auch den Markt und seine Wettbewerber. Eine F\u00fchrungskraft kennt nicht nur die eigene Position, sondern auch die Karrieren anderer F\u00fchrungskr\u00e4fte. Ein Wissenschaftler kennt die Publikationsleistung seiner Kollegen. Ein Arzt bewegt sich innerhalb eines professionellen Statussystems. Ein Coach beobachtet Reichweite, Umsatz, Kunden und Positionierung anderer Coaches.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vergleich ist damit zun\u00e4chst ein v\u00f6llig normaler Bestandteil professioneller Orientierung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Problematisch wird er dort, wo der Vergleich vom Informationsinstrument zum <strong>Identit\u00e4tsma\u00dfstab<\/strong> wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann gen\u00fcgt es nicht mehr, etwas gut zu machen. Es muss besser sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nur erfolgreich, sondern erfolgreicher. Nicht nur kompetent, sondern sichtbar kompetenter. Nicht nur gefragt, sondern gefragter. Damit ver\u00e4ndert sich auch die Motivation.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie viel Leistung entsteht eigentlich aus dem Wunsch, nicht schlechter dazustehen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Teil beruflicher Leistung entsteht aus Interesse, Verantwortung, Neugier oder dem Wunsch, etwas aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein anderer Teil kann aus sozialem Vergleich entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das muss nicht bewusst geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Kollege \u00fcbernimmt ein zus\u00e4tzliches Projekt. Ein anderer m\u00f6chte ebenfalls zeigen, dass er diese Belastung tragen kann. Eine F\u00fchrungskraft arbeitet am Wochenende. Andere beginnen, ihre eigene Verf\u00fcgbarkeit daran auszurichten. Ein Unternehmer berichtet \u00fcber au\u00dfergew\u00f6hnliche Arbeitszeiten. Im Umfeld entsteht der Eindruck, dass au\u00dfergew\u00f6hnliche Arbeitszeiten etwas mit au\u00dfergew\u00f6hnlichem Unternehmertum zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So entsteht Konkurrenz, ohne dass jemand sie ausdr\u00fccklich erkl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Niemand muss sagen: \u201e<em>Ich m\u00f6chte besser sein als du.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Information wird \u00fcber Verhalten transportiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Anzahl der Projekte. Die Gr\u00f6\u00dfe des Teams. Der Umsatz. Der Titel. Die Kunden. Die Publikationen. Die Zertifikate. Die Arbeitszeit. Leistung wird damit zu einer Art sozialer W\u00e4hrung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum reicht \u201eIch kann es\u201c irgendwann nicht mehr?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier lohnt sich die Unterscheidung zwischen Selbstwirksamkeit und Selbstdarstellung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Selbstwirksamkeit <\/strong>bedeutet, die eigene F\u00e4higkeit zu kennen, etwas bewirken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Selbstdarstellung <\/strong>beschreibt dagegen die Steuerung des eigenen Auftretens gegen\u00fcber anderen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beides kann zusammenfallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Unternehmer kann sehr genau wissen, dass er ein Unternehmen aufbauen kann. Er kann aber gleichzeitig das Bed\u00fcrfnis entwickeln, dieses K\u00f6nnen gegen\u00fcber seinem Umfeld permanent sichtbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann entsteht eine eigent\u00fcmliche Dynamik: Die Leistung muss nicht nur stattfinden. Sie muss <strong>gesehen werden<\/strong> und sie muss besser sein. Das ist eine bewusste Entscheidung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erkl\u00e4rt auch, warum Statussymbole im beruflichen Umfeld so wirksam sind. Sie machen abstrakte Eigenschaften sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gro\u00dfe Kundenstamm signalisiert Markterfolg. Der volle Terminkalender signalisiert Nachfrage. Die F\u00fchrungsposition signalisiert Einfluss. Das gro\u00dfe Unternehmen signalisiert wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit. Die hohe Arbeitszeit signalisiert Einsatzbereitschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob diese Signale tats\u00e4chlich das abbilden, was sie suggerieren, ist eine andere Frage.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum gibt es in diesem System kaum einen Punkt, an dem \u201egenug\u201c erreicht ist?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein absoluter Ma\u00dfstab h\u00e4tte einen Endpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der soziale Vergleich nicht. Der ist relativ. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum? Es gibt immer einen gr\u00f6\u00dferen Wettbewerber, einen h\u00f6heren Umsatz, einen gr\u00f6\u00dferen Kunden, einen j\u00fcngeren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, jemand mit mehr Erfahrung, mehr Energie oder Euphorie, mehr Begeisterung und Emotionskraft, eine h\u00f6here Publikationszahl, mehr Follower, mehr Mitarbeiter oder jemanden, der scheinbar noch mehr leisten oder aufbauen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit verschiebt sich die pers\u00f6nliche Referenz st\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aus 100 Prozent werden 120 Prozent. Aus 120 werden 150. Und irgendwann werden 200 Prozent nicht mehr als au\u00dfergew\u00f6hnliche Ausnahme wahrgenommen, sondern als Teil der Erz\u00e4hlung \u00fcber besondere Leistungsf\u00e4higkeit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist weniger ein individuelles Problem als eine Dynamik sozialer Systeme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Anerkennung an sichtbare Leistung gekoppelt wird, erzeugt das System einen Anreiz, diese Leistung weiter zu steigern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum ist dieses Muster bei M\u00e4nnern besonders interessant?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei M\u00e4nnern l\u00e4sst sich die Verbindung zwischen Leistung und sozialem Status h\u00e4ufig besonders deutlich beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beruflicher Erfolg, finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit, Durchsetzungsf\u00e4higkeit, k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit und die F\u00e4higkeit, Belastung auszuhalten, sind kulturell vielfach mit Vorstellungen von Status verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei geht es nicht um eine biologische Eigenschaft von M\u00e4nnern. Es geht um soziale Rollen und Anerkennungssysteme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus \u201e<em>Ich kann Verantwortung \u00fcbernehmen<\/em>\u201c kann dabei schleichend \u201e<em>Ich muss zeigen, dass ich mehr Verantwortung tragen kann als andere\u201c werden<\/em>.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus \u201eIch bin erfolgreich\u201c wird \u201e<em>Mein Erfolg muss sichtbar sein<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus \u201e<em>Ich kann viel leisten<\/em>\u201c wird \u201e<em>Ich darf nicht zeigen, dass mir etwas zu viel wird<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit entsteht ein besonderer Druck: Nicht nur die Leistung selbst wird relevant, sondern die F\u00e4higkeit, Leistung auch unter hohen Belastungen sichtbar aufrechtzuerhalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was passiert, wenn dieser Wettbewerb in Unternehmen einzieht?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Organisationen wird daraus eine F\u00fchrungsfrage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn Unternehmen verst\u00e4rken bestimmte Verhaltensweisen durch Anerkennung, Bef\u00f6rderung, Verg\u00fctung und informelle Statusmechanismen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn diejenigen besonders sichtbar werden, die st\u00e4ndig verf\u00fcgbar sind, \u00dcberstunden machen und auch unter hoher Belastung funktionieren, entsteht ein kulturelles Signal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht unbedingt bewusst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wirksam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitarbeiter lernen, welches Verhalten innerhalb des Systems als Engagement interpretiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit kann eine Organisation irgendwann nicht mehr zwischen <strong>Wirksamkeit und sichtbarer Anstrengung<\/strong> unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Mitarbeiter l\u00f6st ein komplexes Problem in zwei Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein anderer verbringt zehn Stunden damit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die Organisation anschlie\u00dfend vor allem die zehn Stunden wahrnimmt, entsteht ein merkw\u00fcrdiger Anreiz: Effizienz wird weniger sichtbar als Verausgabung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr C-Level und F\u00fchrungskr\u00e4fte ist genau diese Unterscheidung relevant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende Frage lautet dann nicht nur, wie leistungsf\u00e4hig einzelne Menschen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie lautet: <strong>Welche Art von Leistung erzeugt unsere Organisation \u00fcberhaupt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie viel unn\u00f6tige Anstrengung produziert das System selbst?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcnf Meetings f\u00fcr eine Entscheidung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehrere Freigabeschleifen f\u00fcr einen \u00fcberschaubaren Vorgang.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Doppelte Datenerfassung.<\/li>\n\n\n\n<li>Unklare Verantwortlichkeiten.<\/li>\n\n\n\n<li>Permanente Unterbrechungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Erreichbarkeit au\u00dferhalb der Arbeitszeit.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prozesse, die historisch gewachsen sind und nie grunds\u00e4tzlich hinterfragt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Teil dessen, was innerhalb von Organisationen als \u201ehohe Belastung\u201c erscheint, entsteht nicht durch die Komplexit\u00e4t der Aufgabe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er entsteht durch die Art, wie das System organisiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist auch f\u00fcr Coaching, Beratung und betriebliches Gesundheitsmanagement relevant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn wenn ein Mensch regelm\u00e4\u00dfig an seiner Belastungsgrenze arbeitet, ist die Frage nach seiner individuellen Resilienz nur ein Teil der Betrachtung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die andere Frage lautet: <strong>Welche organisatorischen Bedingungen erzeugen diese Belastung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und noch eine weitere: <strong>Welchen Anteil daran hat der Mensch selbst, weil er \u00fcber Leistung seinen sozialen Status stabilisiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beides kann gleichzeitig zutreffen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was passiert, wenn Anstrengung selbst zur Identit\u00e4t wird?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann wird Ver\u00e4nderung schwierig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn wer sich \u00fcber Leistung definiert, gibt mit der Reduktion von Leistung m\u00f6glicherweise nicht nur Arbeitszeit ab, sondern einen Teil seines Selbstbildes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der volle Kalender wird leerer. Die Verf\u00fcgbarkeit nimmt ab. Andere Menschen werden pl\u00f6tzlich schneller, sichtbarer oder erfolgreicher. Und damit entsteht m\u00f6glicherweise das Gef\u00fchl, an Bedeutung zu verlieren. Das erkl\u00e4rt, weshalb manche Menschen nicht einfach weniger arbeiten k\u00f6nnen, obwohl objektiv nichts dagegen spricht. Es geht dann nicht mehr nur um Arbeit. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht um Identit\u00e4t, Anerkennung und Status.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeitszeit ist lediglich die sichtbare Oberfl\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was w\u00fcrde bleiben, wenn niemand davon erfahren w\u00fcrde?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Frage macht den Mechanismus besonders deutlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn niemand wei\u00df, wie viele Stunden jemand gearbeitet hat, verliert die Arbeitszeit einen Teil ihrer sozialen Funktion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn niemand den Umsatz kennt, bleibt das wirtschaftliche Ergebnis \u2013 aber das Statussignal ver\u00e4ndert sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn niemand die Anzahl der Projekte kennt, bleibt nur die tats\u00e4chliche Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit verschiebt sich der Ma\u00dfstab zur\u00fcck auf das, worum es urspr\u00fcnglich ging.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was wurde geschaffen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welches Problem wurde gel\u00f6st?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche Entscheidung wurde getroffen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welcher Wert wurde erzeugt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche Wirkung ist entstanden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist eine deutlich n\u00fcchternere Betrachtung von Leistung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bedeutet das f\u00fcr eine moderne Vorstellung von Professionalit\u00e4t?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht liegt Professionalit\u00e4t nicht darin, m\u00f6glichst viel Belastung auszuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht liegt sie zunehmend darin, unterscheiden zu k\u00f6nnen, <strong>welche Anstrengung Wert erzeugt und welche lediglich sichtbar macht, dass man sich anstrengt.<\/strong> F\u00fcr einen Unternehmer kann das bedeuten, nicht jede operative Aufgabe selbst zu \u00fcbernehmen. F\u00fcr eine F\u00fchrungskraft kann es bedeuten, nicht jede Entscheidung an sich zu ziehen. F\u00fcr einen Arzt kann es bedeuten, die eigene Zeit dort einzusetzen, wo die fachliche Kompetenz tats\u00e4chlich ben\u00f6tigt wird. F\u00fcr einen Coach kann es bedeuten, nicht die Anzahl der Gespr\u00e4che zum Beweis seiner Wirksamkeit zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr einen Manager kann es bedeuten, nicht den vollsten Kalender mit dem wichtigsten Beitrag zu verwechseln. Und f\u00fcr einen Menschen kann es bedeuten, Leistung nicht mehr als permanenten Nachweis des eigenen Wertes zu ben\u00f6tigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ver\u00e4ndert den Begriff von Ambition nicht. Es \u00e4ndert auch das Wirkprinzip nicht. Es ver\u00e4ndert seinen Zweck.  Leistung muss nicht verschwinden. Wettbewerb muss nicht verschwinden. Ehrgeiz muss nicht verschwinden. Aber es entsteht ein Unterschied zwischen <strong>Leistung als Mittel zur Wirkung<\/strong> and <strong>Leistung als Mittel zur sozialen Positionierung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist genau diese Unterscheidung f\u00fcr eine moderne Arbeitswelt interessanter als die Frage, wie viele Prozent Einsatz ein Mensch noch aus sich herauspressen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn wer st\u00e4ndig beweisen muss, dass er es kann, arbeitet irgendwann nicht mehr nur f\u00fcr das Ergebnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er arbeitet f\u00fcr den Blick der anderen. Und dieser Blick kennt selten einen Endpunkt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Leistung zum Beweis wird Der Mitarbeiter, der l\u00e4nger bleibt. Der Kollege, der noch ein zus\u00e4tzliches Projekt \u00fcbernimmt. Der Unternehmer, der seine 70-Stunden-Wochen beschreibt. Dann ist da der Manager, dessen Kalender kaum noch freie Zeit kennt. 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