Was genau ist Organisationsentwicklung?

Organisationsentwicklung hebt sich von typischer Unternehmensberatung und Consulting ab. Es geht bei Organisationsentwicklung nicht nur um reine Zahlen wie Umsatz, Gewinne, Transaktionskosten und Profit, sondern viel mehr darum wie die Menschen miteinander interagieren und arbeiten. Es geht auch um Kundenkommunikation, Produktentwicklung, Projektarbeit, Resilienz, Wachstum, kontinuierliche Verbesserungsprozesse, Kundenzufriedenheit und Mitarbeiter-Motivation.

Organisationsentwicklung ist die Optimierung eines gesamten Unternehmens im Hinblick auf MitarbeiterfĂŒhrung, Teamarbeit, Produktentwicklung, Resilienz, interne Strukturen, Wachstum und Kundenkommunikation.

Wie im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung geht es immer um ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren. Nur mit dem Unterschied das hier oftmals ganz viele Systeme im Zusammenspiel zueinander betrachtet werden dĂŒrfen:

  • Mitarbeiter
  • FĂŒhrungskrĂ€fte
  • Kunden
  • Produkte
  • Technologien und
  • interne Prozesse

Unternehmensbetrachtung als System

WĂ€hrend man die Unternehmen und Produktionsbetriebe im 19. Jahrhundert auf Leistung optimiert hat, stand immer der maximale Ertrag im Vordergrund. Große Masse war gefragt, Arbeitskraft sowieo Produktionsteile waren knapp und es ging darum die Prozesse auf Einsparung und Skalierung zu optimieren. Vieles hat mit der Autoentwicklung bei Henry Ford begonnen.

Der Mensch war Teil des Produktionsbetriebes und man hat untersucht welchen bestmöglichen Weg es gibt die Komponente „Mensch“ optimal zum Einsatz zu bringen. Der Mensch wurde ein stĂŒckweit zum Objekt und zur „Humanen Ressource“. Der Ursprung des HR-Begriffs war geboren.

Grafik aus dem Buch „Magic Teams | Sicherer Rahmen fĂŒr zielgerichtete Projektteams“

Betrachten wir hingegen worauf es heute in modernen Wirtschafts-Unternehmen ankommt, dann haben sich die Werte und AnsprĂŒche etwas verschoben. Wir haben sowohl viel mehr Ressourcen, als auch ein viel schnelleres Entwicklungstempo – nicht nur durch die Digitalisierung und Technologieentwicklung, sondern auch durch eine höhere globale Vernetzung mit dem Internet. Auch haben wir viel weniger Experten und gleichzeitig Ă€ndern sich Informationen oftmals in kĂŒrzester Zeit. Die Halbwertszeit einer Information ist viel kĂŒrzer geworden.

Diesem schnellen Tempo sind Unternehmen einerseits heute ausgesetzt und andererseits erzeugt eine viel dichtere Überlappung von Dienstleistungen und Angeboten im Internet subjektiv einen höheren Erfolgsdruck und Wettbewerb.

Es geht heute nicht mehr um das „Beste“ oder den besten Weg

Damals war der beste Produktionsweg wichtig. Der beste war der gĂŒnstigste, schnellste oder optimalste. Daraus entspringen ganz viele GlaubenssĂ€tze und Thesen. Harter Konkurrenzkampf und Wettbewerb standen im Vordergrund. Viele Werte in der Wirtschaft haben sich hingegen in den letzten 100 Jahren wesentlich verĂ€ndert.

Quelle: https://res.infoq.com/articles/organizational-culture-and-agile/en/resources/Schneider-Culture-Model.jpg

Heute hingegen sind wir in einer großen Welt der Vernetzung angekommen. Wir haben bereits einen hohen Lebensstandard erreicht und wenig Innovationskraft. Es geht also heute lĂ€ngst nicht mehr darum etwas in großer Masse schnell auf den Markt zu bringen, sondern viel eher darum die LebensqualitĂ€t an den Punkten anzuheben die Probleme verursachen.

In der Grafik oben befinden wir uns heute viel mehr im linken Teil: Es geht viel stÀrker darum Dinge zu entwickeln, sich zu entfalten, zu wachsen und zwischenmenschlich zusammen zu arbeiten, anstatt der Beste in etwas zu sein oder Macht und Kontrolle einzusetzen.

Entfaltung, Entwicklung, Wachstum, kurze Wege, frĂŒhe Ergebnisse und die Möglichkeit sich einzubringen macht Menschen und Kunden viel zufriedener.

…und da setzt Organisationsentwicklung an

Wenn wir uns in der Arbeit nicht wohl fĂŒhlen, schlechte Prozesse befolgen mĂŒssen, demotiviert sind, kontrolliert und wie Objekte geplant werden, viel Druck erfahren, uns nicht einbringen können oder schlechtes Kundenfeedback erhalten, dann fĂŒhlen wir uns nicht wohl.

Gleichzeitig kommt hinzu das sich Ziele und Ausganssituationen heute viel schneller verĂ€ndern oder verschieben. VerĂ€nderung ist die Regel statt die Ausnahme. Das erfordert heute viel leichtgewichtigere, agilere Prozesse und Vorgehensmodelle damit das richtige Ergebnis entsteht – das, welches wirklich gebraucht wird.

Wird nicht adÀquat auf VerÀnderung reagiert, prÀgt das unser Wohlbefinden und erzeugt negativen Stress. Arbeit ergibt vermeintlich keinen Sinn. Ein Zustand der auf Dauer krank machen kann.

Das wir hier ein gesellschaftliches Problem haben, das beweisen uns steigende Unzufriedenheits- sowie Burnout- und Depressionsstatistiken.

Um an diesen Punkten etwas zu Ă€ndern, ist es wichtig an der Art und Weise der Zusammenarbeit etwas zu verĂ€ndern. Darauf konzentriert sich Organisationsentwicklung mit Tools, Frameworks und Techniken um die Wertschöpfung zum Nutzen aller nachhaltig hochzuhalten. Scrum ist eines davon, aber gute Organisationsentwicklung ist immer individuell. Es sind nicht nur die Werkzeuge die vielleicht fĂ€lschlicherweise inflationĂ€r eingesetzt werden, sondern viel mehr dazugehörige Systeme die an der richtigen Stelle eingesetzt werden mĂŒssen.

Das erfordert Intelligenz, das richtige FeingefĂŒhl, eine gute Beobachtungsgabe und Systemdenken.

Sicherlich gehören fĂŒr erfolgreiche Arbeit viel Spaß, sinnvolle TĂ€tigkeiten, schmale Prozesse und Mitarbeiterzufriedenheit genauso dazu wie spannende Herausforderungen und Projekte. Aber das sind nur Bruchteile und AuszĂŒge dieser Arbeit.

Kann das jeder?

Vermutlich kann jeder es lernen, aber sicherlich erfordert erfolgreiche Organisationsentwicklung eine gute Beobachtungsgabe, jahrzehntelange Erfahrung aus unterschiedlichen Unternehmen, FeingefĂŒhl, hohe Stress-Resiliienz, ein positives Menschenbild, Prozesswissen, sowie die FĂ€higkeit geplante VerĂ€nderungsprozesse gut zu gestalten und erfolgreich durchzuziehen. Dinge die zum einen nicht jeder mitbringt und zum anderen gelangen Unternehmen an diesem Punkt oftmals mit internen KapazitĂ€ten an ihre Grenzen.