Relative Ziele im Scrum Guide 2020

Der neue Scrum Guide 2020 ist seit 11/2020 raus. Dazu gab es hier bereits unterschiedliche Blogartikel und auch eine neue deutsche inoffizielle Übersetzung:

In diesem kurzen Blogartikel wollen wir uns den Teil der Scrum Artefakte nÀher ansehen:


Quelle: Scrum Guide englisch | Kapitel „Scrum Artifacts“

Dieser Teil ist meines Erachtens nicht so einfach zu verstehen wenn man zum einen noch keinen Kontakt mit relativen Zielen oder Scrum hatte. Selbst in der inoffiziellen deutschen Übersetzung ist es schwierig auf Anhieb herauszulesen was genau damit gemeint ist.

Schauen wir uns das im Detail genauer.


Artefakte schaffen Transparenz

Ein Artefakt soll Arbeit oder Wert reprĂ€sentieren. Soweit so einfach. Aber sie sind entwickelt worden um die SchlĂŒsselinformationen transparent zu machen?

Hm… Was ist damit gemeint?

Artefakte sollen die relevanten Informationen ĂŒber ein Projekt / Produkt oder eine Teilaufgabe widerspiegeln. Kurz und kompakt. Es geht dabei vor allem darum die Arbeit sichtbar zu machen. Nicht um andere zu kontrollieren, sondern um etwas das sonst vielleicht nicht gesehen werden kann (Entwicklung, Kognitive Arbeit, eine Problemlösung) anschaubar und greifbar zu machen.

Nur was wir letztlich in einen messbaren generischen Container bringen und allgemeingĂŒltig beschreiben, können wir schließlich messen und schließlich den Fortschritt der Umsetzung und Erledigung beobachten.

Den Verlauf von (unsichtbaren) Arbeit sichtbar zu machen, steigert auch die Anerkennung fĂŒr die eigene Leistung und vor allem senkt es Risiken, weil bestimmte Dinge sichtbar werden.

Es senkt beispielsweise das Risiko irgendwo hÀngen zu bleiben, sich im Perfektionismus zu vertun oder Aspekte zu vergessen. Daher ist diese Transparenz wichtig. Nicht um zu kontrollieren, sondern um den Fortschrtt, Hindernisse, AbhÀngigkeiten und das Puzzle im gesamten zu betrachten.

Anmerkung: ZunĂ€chst einmal werden Risiken sichtbarer. Man senkt sie natĂŒrlich nur, wenn schließlich auch adĂ€quat darauf reagiert wird.


Jedes Artefakt enthĂ€lt eine Verpflichtung…

Der Teil ĂŒber die Scrum Artefakte enthĂ€lt dann einen Satz der meines Erachtens sehr komprimiert und kompliziert formuliert wurde. Er ist nicht so leicht zu verstehen:

Each artifact contains a commitment to ensure it provides information that enhances transparency and focus against which progress can be measured:

Quelle: https://www.scrumguides.org/docs/scrumguide/v2020/2020-Scrum-Guide-US.pdf

Deutsche Übersetzung: Jedes Artefakt enthĂ€lt eine Verpflichtung um sicherzustellen, dass es Informationen liefert, die die Transparenz und den Fokus verbessern, an dem der Fortschritt gemessen werden kann (…)

Das sind ganz viele Punkte:

  • Jedes Artefakt enthĂ€lt eine Verpflichtung
  • Diese Verpflichtung soll dazu beitragen das durch das Artefakt selbst Informationen geliefert werden
  • Diese Informationen sollen die Transparenz und den Fokus verbessern
  • …und das ganze soll an einem Fortschritt gemessen werden

Ok.

FĂŒr das Product Backlog ist es das Produktziel. FĂŒr das Sprint Backlog ist es das Sprint-Ziel. FĂŒr das Inkrement ist es die Definition von Done.

Quelle: Scrum Artefakte | Deutsche inoffizielle Übersetzunh

Was ist damit (vermutlich) gemeint?

Ich denke es ist eine Andeutung auf relative Ziele.

Wenn wir uns das Product Backlog anschauen dann haben wir in aller Regel eine Liste mit Elementen, User Stories oder Todos. Visualisieren wir uns die Arbeit in einem Team, z. B. mit einem Kanban Board oder einer simplen Todo-Liste dann können beipsielsweise messen und nachverfolgen wie viele Elemente wir pro Woche schaffen.

Wir haben dann auch eine Relation von gesamten Elementen. Das ist wunderbar! Denn so können wir schauen ob ein Projekt ĂŒberhaupt in der erwarteten Zeit fertig und schaffbar wird, ob wir uns verschĂ€tzt haben oder andere unerwartete Faktoren hinzukamen.

Wie geht das?

Angenommen wir haben 100 Elemente im Backlog. 20 nehmen wir uns pro Woche vor. Nach der ersten Woche merken wir aber das wir nur 10 Elemente im Team schaffen, dann können wir erkennen das wir ausser Zeit laufen.

Wir planen dann nicht nur im Elfenbeinturm, sondern messen die wahre Praxis.

Gleichzeitig wissen wir in Relation zur Gesamtzahl von 100 Aufgaben wie viele bereits geschafft wurden. Damit können wir bei einem Fortschritt von 10 Elementen pro Woche ungefÀhr voraussagen das wir 10 Wochen brauchen werden.

Vorausgesetzt natĂŒrlich alle Backlog Elemente sind ungefĂ€hr gleich groß ibeschrieben und es kommen keine neuen Elemente hinzu oder fallen weg.

Das alles steckt im Grunde in diesem Satz. Sehr clevere Vorgehensweise, weil es eben tatsÀchlich den Fokus auf Wertschöpfung und Fortschritt steigert. Das ist damit gemeint.

Wenn diese Aspekte sichtbarer werden, wird klar was erwartet wird und was wichtig ist. Gleichzeitig steckt darin die Arbeit mit „relativen Zielen“, weil Fortschritt in relativer Betrachtung zum Gesamtumfang analysiert wird.

Well done. Ich hoffe das Ihnen dieser kleine Beitrag etwas mehr Licht ins Dunkle von Scrum und der Passage ĂŒber Scrum Artefakte gebracht hat. Wenn das so war, dann freue mich wenn sie meine BeitrĂ€ge teilen.

Sollten Sie Fragen zu Scrum oder weiteres Interesse zur Teamarbeit mit Scrum haben, können Sie mich gerne auf Social Media oder E-Mail kontaktieren.