Fortschrittskontrolle ist nicht gleich Leistungskontrolle

Wie gutes Controlling die erfolgreiche Umsetzung von digitalen Projekten ermöglicht verhindert

Dass das agile Mindset seit einigen Jahren von betriebswirtschaftlichen Leistungs- und Prüfmethoden durchfräst wird wie ein schweizer Käse lässt sich offenbar nicht mehr verleugnen.

Aber ich kann da allmählich nicht mehr wegsehen – so schlimm ist es. Das tut schon weh.

Ausserdem werde ich bei dem Thema wirklich sehr leidenschaftlich! Da hängt zu viel Herzblut in der Sache. Mein ITler- und Scrum-Berater-Herz schlägt da sozusagen: Längst werden Scrum-Methoden, Transparenz, Gruppendruck und agile Ansätze dazu genutzt um Mitarbeiter vermehrt zu mehr Leistung unter Druck zu setzen.

Im Industriezeitalter mag das alles gut funktioniert haben. Da konnte man vielleicht durch das Quentchen Druck die kurzfristige Motivation steigern. Aber heute? Wir leben in einem Informations- und Wissenszeitalter.

Was bedeutet das? Kaum ein Projekt wird alleine abgewickelt. Zusammenarbeit ist an der Tagesordnung. Die Komplexität ist sehr hoch. Niemand kommt mehr alleine voran. Das scheint einigen noch nicht ganz bewusst. Hier gelten neue Gesetzmäßigkeiten.

Leider verlieren Unternehmen jeglicher Größenordnung hier oftmals wertvolle Ressourcen wenn sie diese Hintergründe missachten. Die Folge sind oftmals innere Kündigung, Ellbogenmentaltität, egozentrisches Denken, verfehlte Gesamtleistung bis hin zu gesundheitlichen Ausfällen oder Unternehmenswechseln. Sie verlieren wertvolle Mitarbeiter die nicht so einfach ersetzt werden können. Außerdem sind damit oftmals Kosten und Zeitverluste verbunden. Vermeidbare Zusatzkosten.

Beispiele dafür wie alte Management-Methoden mit modernen Scrum-Ansätzen kombiniert werden sind Artikel wie diese: Wie gutes Controlling die erfolgreiche Umsetzung von Softwareprojekten ermöglicht

Keine Sorge. Ich kenne den Autor nicht und um ihn geht es auch gar nicht in diesem Artikel. Er ist sicherlich ein erfolgreicher CEO.

Viel mehr möchte ich daran aufzeigen das dies ein schönes Beispiel dafür ist, wie das agile Mindset mehr und mehr durch den Mixer gequirlt wird. Dabei entsteht alles andere als ein wohlgeformtes Teamsystem.

Ganz im Gegenteil. Das Resultat sind oftmals faule Kompromisse die der Entfaltung von Selbstorganisation, Selbstmotivation und Teamperformance oftmals im Wege stehen.

Warum ist das so?

„Wir wollten Fortschritt messen, statt Leistung“

Da ist ein feiner und kleiner Unterschied zwischen der Messung von Leistung nach alten Management-Leitlinien und der Fortschrittskontrolle nach Scrum:

Fortschrittskontrolle nach ScrumLeistungskontrolle nach Management-Methoden
* Misst die Teamleistung in Relation auf selbst gesteckte Ziele, Schätzungen und agile Planung
* Stärkt den Teamgedanken
* Macht geleisteten Fortschritt sichtbar wo manchmal nicht unbedingt ein sichtbares Ergebnis vorliegt (z. B. Behebung eines Software-Fehlers oder Nutzung einer neuen Online-Software)
* Oftmals losgelöst von Bonus- und Anreizsystemem
* Dient zur Überprüfung ob die Planung realistisch war
* Dient dazu die Planung kontinuierlich zu verbessern
* Dient zur Erkennung von Abweichungen, aufkommenden Sonderwünschen, technischen Problemen oder organisatorischen Schulden
* Dient zur frühzeitigen Anpassung der Planung
* Steigert die persönliche Motivation
* Erhöht die Kommunikation über Wertschöpfung
* Steigert den Stolz auf die eigene Arbeit
* Dient oft der persönlichen Leistungsmessung
* Sollte den Ertrag steigern und die beste Herstellungsmethode finden (ist längst überholt)
* Oftmals gekoppelt an persönliche Ziele, was zu mehr Egoismus im Team führt
* Dient oft zum Vergleichen von Leistung in Teams um künstliche Konkurrenz zu schaffen (die es eigentlich gar nicht gibt)
* Verlangt typischerweise nach Status und Reports zur frühzeitigen Eskalation
* Führt oftmals zu Mikro-Controlling durch Führungskräfte – was die Selbstorganisation, Selbstverwirklichung und Teamarbeit oftmals stört
* Senkt häufig das Vertrauen, den Mut einzelner und das Engagement der eigentlichen Leistungsträger
* Ist rechtlich und arbeitsrechtlich oftmals grenzwertig
* Senkt meistens die Motivation

Wir können nicht von außen kontrollieren und Selbstorganisation erwarten…

Das ist ein bisschen wie das Experiment mit Schrödingers Katze. Kennen Sie das? Ein echter Klassiker den ich hier auffahre. Das sollten Sie mal lesen, falls sie das noch nicht kennen. Auch die Kopenhagener Deutung dazu.

Ich behaupte also jetzt einfach mal: Sie wissen also von außen nicht ob sich ein Team (gut) selbstorganisiert oder nicht. Und dazu stelle ich die These auf, das die Selbstorganisation immer dann kollabiert, wenn man von außen beginnt die Leistung zu kontrollieren. Vor allem wenn es um die Einzelleistung – also die Performance einer einzelnen Person geht. Dann erst Recht. Dann kippt das System. Immer!

Der Kniff ist eigentlich der: Schauen Sie nicht im Detail hin – in die Kiste oder in das Team – und vertrauen einfach darauf das geliefert wird, dann bleibt die Katze sicher am Leben wird sicher nach besten Möglichkeiten geliefert.

Einzelleistung muss zudem nicht gemessen werden

Die meisten Menschen die eine schlechte Performance haben, wissen übrigens üblicherweise das ihre Leistung (momentan) schlecht ist. Man muss es ihnen nicht fortwährend sagen oder sie wie kleine Kinder kontrollieren. Viel cleverer hingegen ist zu schauen was benötigt wird, damit Einzelleistung und Motivation wieder steigt. Da sind wir dann bei Servant Leadership (dienende Führung).

Das können Prozesse, Rahmenbedingungen oder auch rein menschliche Aspekte sein.

Nur sehen Sie den Unterschied? Das eine steigert Motivation, Selbstorganisation und Selbstverantwortung, das andere reduziert und vernichtet sie.

Software- und digitale Projekte müssen also nicht detailliert kontrolliert, sondern viel mehr dienlich unterstützt werden.

Wieder ein Unterschied, der einen Unterschied macht: Dienende Unterstützung führt zu Wachstum und Entwicklung, Kontrolle zu Duckhaltung, Demotivation und Rechtfertigung.

Ich bin gespannt auf die Diskussionen auf Twitter und Social Media dazu!

Viel Spaß und eine gute Entscheidung bei der Frage: unterstützen oder kontrollieren?

Patrick Koglin, Experte für Selbstorganisation, agile Teamarbeit und Scrum-Mindset

Agile Transformation im Mittelstand – und das Remote?

Teams, Produkt-Teams und Entwicklungsteams an ein Ziel zu führen ist herausfordernd genug. Dies noch auf Entfernung zu tun wird zur Königsdisziplin werden. Wenn Unternehmen bereits daran scheitern Projekte mit Menschen in einem Raum nicht zu bewältigen – wie soll oder kann es dann remote gelingen. Viele Unternehmer und Führungskräfte wird das zu ganz neuen Problemstellungen führen. Hier hilft auch kein simples Online-Seminar oder Einzelcoaching – das benötigt Begleitung vor Ort. Warum? Das erläutert dieser Artikel.

Schauen wir genauer hin: Mehr als 50 % von Digitalisierungsprojekten scheitern schon heute, liefern nicht die gewünschten Ergebnisse oder sind verspätet. Mitarbeiter sind unzufrieden, verausgaben sich, brennen aus oder schaffen es nicht die erforderlichen Kompetenzen auf zu bauen. Kunden sind unzufrieden.

Beides resultiert nicht nur in negativen Bewertungen und Kommentaren im Internet, sondern eben auch genau da wo es besonders weh tut: Die Bestands- oder Neukunden kaufen nicht mehr, wichtige Mitarbeiter springen ab, die Einarbeitung und das Recruting neuer Mitarbeiter verzögert massiv die Projekte.

Noch schlimmer ist das vorhandene Kunden den Wert der Produkte nicht oder nicht mehr sehen sehen, schätzen und nicht weiterempfehlen. Wenn hier nicht schnell genug gegengesteuert wird, kann es weiter bergab gehen.

Dann versucht man es mit enger Führung, Tools, Beratungsfirmen oder Prozessen. Die Arbeit für die Arbeit steigt. Die Begeisterung sinkt. Die Ergebnisleistung fällt weiter. Konflikte und Emotionen kochen hoch. Warum?

Das ist doch klar: Mehr vom selben führt nur zu mehr vom selben. Was ein Unternehmen in einer solchen Lage jedoch benötigt ist so etwas wie ein Jogi-Löw. Jemand der sich die Sache annimmt, beobachtet, einen Plan entwickelt, die Umsetzung vorbereitet und während des Spiels ganz gelassen die richtigen Entscheidungen trifft.

Genau so etwas brauchen moderne Unternehmen. Ein Joachim-Löw. Nennen Sie es Teamarchitekt, Business-Trainer oder Agile Coach. Ganz egal. Aber wenn es darum geht schnelle und gute Lösungen für Unternehmenserfolg und interne Prozesse zu finden, insbesondere auf Entfernung, dann braucht es Experten die damit Erfahrung haben.

Den meisten digitalen Unternehmen fehlt es an: emotionaler Intelligenz

Ich arbeite seit 10… 15 Jahren in diesem Feld, bin ausgebildeter Coach, Business-Trainer und Experte für agile Transformation im Mittelstand. Sprechen Sie mich an.