In den sozialen Medien lässt sich ein Mechanismus beobachten, der immer wieder funktioniert: bewusst einfache, teils überspitzte oder provokante Sprache, harte Meinungen, Zuspitzung bis an die Grenze der Karikatur. Das polarisiert, erzeugt Reibung, und Reibung erzeugt Reichweite. Menschen kommentieren, teilen, streiten – der Algorithmus liebt genau das.
Wer das Kommunikationsmuster genauer beobachten wird einfach denken wie einfach und plump diese Aussagen sind, aber genau das polarisiert, baut damit Reichweite auf und provoziert Menschen sich dagegen zu stellen.
Ich will das nicht verurteilen. Es funktioniert. Wer schnell sichtbar werden will, kann mit dieser Methode kurzfristig enorme Aufmerksamkeit gewinnen.
Nur: Aufmerksamkeit ist nicht das Gleiche wie Vertrauen und Fachkompetenz.
Und im Coaching-Business, gerade im hochpreisigen Bereich, verkaufen Sie am Ende kein virales Video oder polarisierende Phrasen, sondern Vertrauen und Ergebnisse.
Jemand zahlt Ihnen 5.000 oder 10.000 Euro nicht, weil er Sie witzig oder provokant findet, sondern weil er glaubt, dass Sie ihm wirklich helfen und sein Geld wert sind.
Genau da liegt die Herausforderung mit der reinen Polarisierungs-Strategie: Sie zieht viele Augen an, aber nicht zwingend die richtigen. Ich will es ganz klar sagen: Meiner Ansicht nach ist das nichts, was für Coaches funktioniert.
Wer über Provokation andere anstachelt, zieht vielleicht Zuschauer an, die unterhalten werden wollen oder sich dagegen auflehnen – aber nicht Klienten, die bereit sind zu investieren.
Und wer dauerhaft negativ auffällt, wird wangsläufig irgendwann nicht mehr ernstgenommen und geschätzt: eine Aussage zu viel, ein Vergleich zu geschmacklos, ein Umgang mit Kritikern zu aggressiv. Was kurzfristig Reichweite bringt, wird dann schnell zum Kern der öffentlichen Wahrnehmung – und überlagert die eigentliche fachliche Substanz, die vielleicht sogar existiert.
Das ist der Unterschied zwischen Hype und Reputation: Hype ist laut, schnell und vergänglich. Reputation baut sich langsamer auf, hält aber längerfristig. Für ein Coaching-Business, das auf Dauer angelegt ist und bei dem Menschen große Summen investieren, ist Reputation, Fachwissen und Kompetenz das, was tatsächlich trägt – nicht die Zahl der Views oder Kommentare, die durch einen provokanten Post kommen. Sowas kann man punktuell schon mal machen um sich abzugrenzen oder zu positionieren, vielleicht einer von 100 Beiträgen, aber nicht ständig.
Das bedeutet nicht, dass Sie leise oder langweilig sein müssen. Eine klare Haltung, eine eigene Meinung, auch mal ein zugespitzter Satz – das gehört zu einer starken Positionierung dazu, wie wir schon besprochen haben. Der Unterschied liegt im Zweck: Positionieren Sie sich, um Ihre Botschaft klarer zu machen – oder nur, um Aufmerksamkeit zu erzeugen? Die erste Variante baut etwas auf. Die zweite verbrennt irgendwann ihr Vertrauen und die Fachkompetenz.