Gewinn oder Verlust? Schadet oder nützt die Wahrheit? Wenn der Vater, nicht der Vater ist

Es ist jetzt zwei Tage her, nachdem ich erfahren habe, das mein Vater angeblich nicht mein Vater sei. Ich bin 40 Jahre, fühle mich gut orientiert, stabil, mit gewissen Herausforderungen im Leben. Manche mögen auch Probleme haben. Das war mir vorher klar. Aber diese Botschaft und Nachricht zog mir im ersten Moment den Boden unter den Füßen weg. „Ist das jetzt ein Geschenk oder ein Schaden?“ – meine Antwort darauf bleibt privat.

Wer weiß wozu es gut ist?

Ich recherchiere online über Identitäts- und Biografiekrisen und -konflikte. Dabei finde ich eine Aufzeichnung bei YouTube mit einer Geschichte eines Mannes, der gegen seine Mutter klagen will. Ein gänzlich anderer Fall. In meiner Situation käme ich nicht auf die Idee, meine Mutter für die Sache „verantwortlich“ oder „schuldig“ zu machen. Nicht nur das ich wenig von „Schuld“ halte, es sei denn wir sprechen über vorsätzliches, gewaltvolles oder gesetzwidriges Verhalten. Sie war sich überhaupt keiner Sache bewusst, hat weder etwas verheimlicht, noch vorsätzlich gehandelt.

Mein Vater hat ein Test gemacht. Heimlich und auf Verdacht. Ohne meine Zustimmung und ich weiß gar nicht was schlimmer ist, der Test der gegen das Gendiagnoserecht, die vorgetäuschte Zustimmung, die es gar nicht gab, das Handeln gegen meine Selbstbestimmung und das Verändern meiner Lebenssituation? Es gibt also viele Gedanken. Das Video was ich fand enthält den Titel „Wenn Wahrheit zerstört“ und ich überlege kurz: Was ist daran falsch?

Was ist daran „falsch“?

Wenn ich nicht mental so trainiert wäre, würde ich tiefer fallen. Das ist mir klar. Ich lese online viel von „Lebenslügen„, betrogenen Menschen und denke mir nur „Was ist das für ein Ansatz?„. Warum? Ich glaube das Menschenbild und der Denkansatz dahinter sind falsch. Genauso wie das Mindset, das Menschen dumm oder faul wären. Das führt zu selbsterfüllenden Prophezeiungen.

Manchmal wünschte ich, ich sei faul oder könnte faul sein. Ich denke zurück an den Titel: „Wenn Wahrheit zerstört“ und bringe den Gedanken mit ins Feld: „Wer hat eigentlich die meiste Macht in meinem Leben?“ und „Welcher Gedanke gibt mir jetzt mehr Kraft und Energie?

Zerstörung, Lügen, Krisen. Ok. Wer das so sehen mag, kann das sicherlich tun und jeder Fall mag individuell sein. Ich für meinen Teil, entscheide mich lieber für Entfaltung. Wenn der Vater nicht der Vater ist oder behauptet es nicht zu sein, dann entsteht auch eine neue Form von Freiheit. So sehe ich das.

In mir tobt jedenfalls ein Sturm aus Krise, Erschütterung und Verzweiflung, gepaart mit dem Aspekt der Dankbarkeit und Leichtigkeit. Was für ein Coach kann ich mit dieser Sache jetzt für andere Menschen sein?

Dabei will ich diese Erfahrung weder „hypen“ oder als Tritt zur Öffentlichkeit nutzen, aber ich bin auch kein Freund davon die eigene Persönlichkeit und Biografie geheimzuhalten. Ich befinde mich im Umbruch, wenn man so will. Mein Vater behauptet, nicht mein Vater zu sein. Die Sache steht im Raum und ich baute womöglich mein Leben 40 Jahre auf einem Fundament auf, bei dem ich spürte, das es Risse hat, aber was nicht nachgeben wollte. Jetzt ist eine Säule davon weggebrochen, gut – nun kann ich sie neu aufbauen, darauf verzichten oder mein Haus auf einem dünneren Fundament aufbauen. Es mag viele Metaphern dafür geben. Aber was ist wirklich wahr? Das Gedanken, Sätze und Worte uns Kraft geben können oder sie uns schwächer machen. Und wovon bin ich ein Freund? Natürlich von Worten die uns Energie geben.

Also entschließe ich mich ein noch besserer Coach zu sein. Noch liebevoller, noch professioneller, noch rücksichtsvoller und gleichzeitig natürlich noch ein viel besserer Papa – für meine eigenen Kinder. Daneben ein stärkerer Unternehmer und in jeglicher Hinsicht ein stückweit emotional nahbar für die Menschen da draußen. Meine Geschichte hat sich verändert, ja. Das ist klar. Gleichzeitig geht auch etwas in Heilung und Lösung, was schon jahrelang schwer greifbar war.