Manche Menschen kennen dieses Gefühl:
Obwohl eine Beziehung beendet ist, obwohl eine Situation längst vorbei ist, fühlt es sich an, als wäre ein Teil von ihnen immer noch dort.
Die Gedanken kreisen.
Die Energie ist gebunden.
Die eigene Aufmerksamkeit fließt ständig zu einer anderen Person.
Man fragt sich:
„Warum kann ich nicht loslassen?“
„Warum beschäftigt mich dieser Mensch immer noch?“
„Warum fühlt es sich an, als hätte etwas Macht über mich?“
In spirituellen Traditionen wird manchmal von „besetzter Energie“ gesprochen.
Damit ist nicht zwingend gemeint, dass etwas Übernatürliches einen Menschen kontrolliert. Vielmehr beschreibt dieser Begriff das Gefühl, dass ein Teil unserer Lebenskraft, unserer Aufmerksamkeit und unserer emotionalen Präsenz an etwas gebunden ist.
Psychologisch betrachtet sprechen wir eher von:
- emotionaler Bindung
- ungelösten Konflikten
- traumatischen Verknüpfungen
- unbewussten Glaubenssätzen
- Stressreaktionen des Nervensystems
- wiederkehrenden Gedankenmustern
Unser Gehirn speichert besonders intensive Erfahrungen sehr tief ab. Gerade Situationen mit Liebe, Verlust, Angst oder Ablehnung können eine enorme emotionale Ladung besitzen.
Der Mensch sucht dann nicht nur die Person.
Er sucht die Auflösung.
Die Erklärung.
Die Anerkennung.
Die Antwort auf die Frage:
„Warum ist mir das passiert?“
Der innere Kampf gegen unsichtbare Kräfte
Viele spirituelle Systeme sprechen von „dämonischen Kräften“.
Psychologisch kann man diese als innere Schattenanteile verstehen:
Ängste.
Selbstzweifel.
Scham.
Alte Verletzungen.
Destruktive Muster.
Diese „Kräfte“ wirken oft nicht, weil sie stark sind, sondern weil sie unbewusst sind.
Was wir verdrängen, kann Macht über uns gewinnen.
Ein Mensch, der beispielsweise früh gelernt hat:
„Ich bin nicht genug.“
kann später immer wieder Situationen erschaffen oder suchen, in denen dieses Gefühl bestätigt wird.
Nicht bewusst.
Sondern weil das Nervensystem das Vertraute oft mit Sicherheit verwechselt.
Der Traumabund und gebundene Energie
Bei einem Traumabund entsteht häufig eine extreme emotionale Verbindung.
Nicht nur durch schöne Momente, sondern durch den Wechsel zwischen Nähe und Distanz.
Hoffnung.
Enttäuschung.
Nähe.
Ablehnung.
Diese Achterbahn kann eine starke Bindung erzeugen.
Der Mensch wartet dann nicht mehr nur auf Liebe.
Er wartet darauf, dass der Schmerz endlich endet.
Während die andere Person vielleicht ihr Leben weiterlebt, Entscheidungen trifft und nach vorne schaut, bleibt die andere Person innerlich gefangen.
Sie verliert Energie durch:
- ständiges Grübeln
- das Analysieren vergangener Situationen
- die Suche nach Erklärungen
- die Hoffnung auf eine Veränderung
- den Versuch, etwas zu kontrollieren, das nicht kontrollierbar ist
Der größte Energieverlust entsteht oft nicht durch die Person selbst.
Sondern durch den inneren Kampf gegen die Realität.
Der Weg zurück zur eigenen Energie
Die Befreiung beginnt nicht damit, den anderen Menschen zu verändern.
Sie beginnt damit, die eigene Energie zurückzuholen.
Die Fragen verändern sich:
Nicht mehr:
„Warum tut dieser Mensch mir das an?“
Sondern:
„Was hält mich noch dort fest?“
„Welche alte Wunde wird hier berührt?“
„Welchen Teil von mir habe ich an diese Situation abgegeben?“
Spirituell gesprochen bedeutet Heilung:
Die eigene Energie zurücknehmen.
Psychologisch gesprochen bedeutet Heilung:
Die Verantwortung für die eigenen Gedanken, Gefühle und Entscheidungen zurückzugewinnen.
Am Ende geht es nicht darum, gegen „dämonische Kräfte“ zu kämpfen.
Es geht darum, die unbewussten Kräfte in uns sichtbar zu machen.
Denn das, was bewusst wird, verliert seine Macht.