Coaching wird gerne als Kommunikation auf Augenhöhe verkauft. Vertrauen, Offenheit, Ehrlichkeit, Bewusstsein, Selbstreflexion, Wachstum. Der Coach soll zuhören, verstehen, begleiten und einen sicheren Raum schaffen.
Schön.
Nur funktioniert Coaching nicht, wenn eine Seite ehrlich arbeitet und die andere Seite ein Spiel spielt.
Denn auch Kunden können Coaches verarschen.
Sie erzählen, sie wollen etwas verändern – und tun anschließend nichts. Sie buchen ein Coaching, erscheinen unvorbereitet, verschieben Termine, nennen keine konkreten Ziele oder setzen dann die vereinbarten Aufgaben nicht um, ignorieren Vereinbarungen und erklären anschließend, warum es gerade nicht funktioniert. Eine Ausrede nach der anderen: viel Stress an der Arbeit, die Familie, der Mann / die Frau, Urlaub, krank…
Sie wollen Klarheit und Vorankommen, vertragen aber keine klaren Worte. Sie wollen Umsatz, scheuen aber Marketing, Sichtbarkeit und Verkauf. Sie wollen mehr verdienen und ihre Zukunft absichern, wollen aber keine Verantwortung für die Umsetzung übernehmen oder auch mal auf etwas verzichten. Sie wollen Selbstbewusstsein, brauchen aber gleichzeitig die Bestätigung, dass sie eigentlich schon alles richtig machen. Sie wollen Porsche-Qualität, aber nur Aldi-Preise bezahlen oder am besten gar nichts.
Und manchmal geht es noch subtiler.
Der Kunde erzählt dem Coach genau das, was dieser hören soll. Er gibt sich reflektiert, offen und motiviert. Im Coaching entsteht der Eindruck von Bewegung. Doch außerhalb des Gesprächs passiert nichts.
Das ist kein Coachingproblem.
Das ist ein Kundenproblem.
Ein guter Coach darf deshalb nicht nur fragen: „Was brauchst du?“ Er muss irgendwann auch fragen: „Was machst du tatsächlich?“
Denn zwischen Absicht und Verhalten liegt die Wahrheit.
Wer sagt, dass er Kunden gewinnen möchte, aber keine Akquise macht, hat kein Marketingproblem. Wer sagt, dass er endlich Grenzen setzen möchte, aber weiterhin jede Konsequenz vermeidet, hat kein Kommunikationsproblem. Wer sagt, dass er ein Coaching-Unternehmen möchte, meldet aber nicht mal eine Gewerbe bzw. freiberufliche Tätigkeit an, hat vielleicht keine Blockade, sondern ein Verantwortungsproblem.
Coaching ist keine Bühne, auf der der Kunde eine bessere Version seiner Geschichte erzählen kann.
Es ist ein Raum, in dem die Geschichte überprüfbar werden muss.
Deshalb sollte ein Coach nicht dafür bezahlt werden, seinem Kunden nach dem Mund zu reden. Und er sollte sich auch nicht zum emotionalen Dienstleister machen lassen, der jede Ausrede mit Verständnis beantwortet.
Verständnis ist nicht dasselbe wie Zustimmung.
Ein Coach darf unbequem werden.
Er darf Widersprüche benennen. Er darf Vereinbarungen einfordern. Er darf sagen: „Du sagst gerade schon das dritte Mal etwas anderes, als du tust.“ Und er darf ein Coaching beenden, wenn der Kunde dauerhaft nicht bereit ist, seinen Teil der Verantwortung zu übernehmen.
Denn Coaching ist keine Einbahnstraße.
Der Coach bringt Erfahrung, Methodik, Perspektive, Fragen, Zeit, Energie und Vorbereitung in den Prozess.
Der Kunde bringt Bereitschaft, Ehrlichkeit und Umsetzung.
Wenn eine dieser beiden Seiten fehlt, wird aus Coaching schnell eine teure Simulation von Veränderung.
Und genau deshalb sollten Coaches ihre Kunden nicht nur danach auswählen, ob sie bezahlen können.
Auch danach, ob sie wirklich bereit sind, etwas zu verändern oder umsetzen wollen. Nicht nur sagen, sondern auch machen.