Die Dummheit der „Sinnfrage“

Die Frage „Macht XYZ im Jahr 2026 überhaupt noch Sinn?“ ist keine analytische Frage. Sie ist intellektuelle Arbeitsverweigerung, verpackt als visionärer Business-Talk. Gefolgt von irgendwelchen Meinungen aus dem Off und unterschiedlichen Social Media Kommentaren irgendetwas wäre „sinnlos„.

Wer so fragt und urteilt – oder umgekehrt behauptet, eine Methode sei per se „sinnvoll“ –, beweist nur eines: Er hat weder Kommunikation verstanden noch eigene Bewertungsmechanismen, sondern plappert Phrasen nach, um auf LinkedIn, instagram, Facebook, auf Kongressen oder in Meetings wichtig zu wirken.

Hier ist die ungeschminkte Wahrheit, warum dieses Denken dumm ist:

1. Ein Werkzeug hat keinen „Sinn“ – Hören Sie auf, Objekte zu beseelen

Ein Hammer hat keinen Sinn. Eine Software-Architektur hat keinen Sinn. Sogar künstliche Intelligenz hat keinen inhärenten Sinn. Es sind leblose Werkzeuge die einen Einsatzzweck und ihren Nutzen haben.

Anders gesagt: Alles wurde aus einem bestimmten Zweck entwickelt, entworfen oder erfunden. Die pauschale Unterstellung „Das ergibt keinen Sinn“ zeigt einfach nur die Einfallslosigkeit und fehlende Intelligenz des Urteilers oder es ist ein Schrei nach Aufmerksamkeit und Bedeutung.

  • Die Realität: Sinn entsteht niemals im Objekt, sondern immer erst im Kontext. Das Werkzeug ist nur das Mittel zum Zweck. Wer fragt, ob „XYZ Sinn macht“, fragt eigentlich: „Ist ein Schraubenzieher im Jahr 2026 noch sinnvoll?“ Die Antwort lautet: Wenn Sie eine Schraube vor sich haben, ja. Wenn Sie Suppe essen wollen, nein. Die Jahreszahl 2026 ändert daran exakt gar nichts.

2. Der Jahreszahlen-Fetischismus: Bullshit-Bingo für Trend-Hoppper

Warum kleben Coaches, selbst ernannte Berater und Möchtegern-Visionäre immer die aktuelle Jahreszahl an ihre Fragen oder irgendwelche andere Etiketten? Weil es nach Fortschritt klingt.

Es ist billige psychologische Manipulation – der sogenannte Innovation-Bias.

  • Fragen wie „Braucht man 2026 noch lokale Server?“ oder „Macht Scrum 2026 noch Sinn?“ sollen Angst erzeugen. Die Angst, abgehängt zu werden.
  • Das ist reines Status-Marketing. Wer so fragt, will sich als Vordenker inszenieren, der der Masse voraus ist. In Wahrheit kaschiert er damit nur, dass er unfähig ist, eine fundierte Systemanalyse durchzuführen.

Die fundamentalen Probleme von Unternehmen – schlechte Kommunikation, miserable Datensicherheit, falsche Anreize – ändern sich nicht, nur weil die Erde sich einmal um die Sonne gedreht hat und der Kalender jetzt eine 6 am Ende zeigt.

3. Die Flucht vor der Verantwortung

Die Unterstellung, etwas sei pauschal sinnvoll oder sinnlos, ist der verzweifelte Versuch, das eigene Denken an eine Blaupause auszulagern. Es ist die Sehnsucht nach der magischen Pille, die alle Probleme löst, ohne dass man selbst den Kopf anstrengen muss.

Es spart Zeit, einfach zu behaupten: „Offshoring ist 2026 der Standard“ oder „Quereinsteiger sind die Zukunft“. Es entbindet Manager davon, genau hinzusehen, warum die eigene Software abstürzt oder warum das Team implodiert. Es ist die Kapitulation vor der Komplexität.

Fazit auf den Punkt gebracht

Jedes Mal, wenn Ihnen jemand eine Lösung als „pauschal sinnvoll für 2026“ verkaufen will oder die Sinnhaftigkeit einer bewährten Basis anzweifelt, stellt er sich selbst ein Armutszeugnis aus. Auch beliebt sind Aussagen wie: „Sie brauchen keine teuren Fachkräfte…“ oder „Sie brauchen 2026 keine moderne Technik um viral zu gehen.„. Das sind pauschale Aussagen, die haltlos sind, irgendwelche Abkürzungen versprechen und Menschen damit einladen sollen ihrem Angebot zu folgen.

Sinn ist kein Zustand, sondern das Ergebnis einer Relation. Wer die Variablen „Für wen?“, „In welchem System?“ und „Gegenüber welcher Alternative?“ streicht und stattdessen nur auf die Jahreszahl starrt, betreibt kein Management. Er betreibt Business-Astrologie.