Unsere Regierung scheint völlig überfordert: Preiserhöhungen dort, neue Gesetze hier und dazwischen steigt die Unsicherheit somit einhergehend auch die Kriminalität- und Unfallstatistik. Etwas was wir inzwischen überall in den Nachrichten, sozialen Medien und der Presse sehen. Das führt zu einer ernüchternden Lebensqualität, Stress und Anspannung – trotz aller guten Gedanken und viel Positivität im Mindset.
Change Management: sich selbst überlassen
Ein weiteres Beispiel sind die neuen eScooter im Straßenverkehr. Einerseits super praktisch, eine tolle Alternative zu kostengünstiger Mobilität bei der aktuellen Spritpreispolitik und andererseits ein neues Unfallrisiko. Das bestätigt die Statistik in allen Bundesländern, einschließlich Hessen:
Die Zahlen aus Hessen zeigen eine klare Entwicklung. 2021 registrierte die Polizei 677 E-Scooter-Unfälle, 2024 waren es bereits 1.081. Auch die Zahl der Verletzten stieg im selben Zeitraum deutlich von 391 auf 716.
Unfallrisiko eScooter
Das tückische: Kinder und Jugendliche fahren damit plötzlich im Straßenverkehr. Was passiert? Vermehrt Unfälle. Warum? Nicht nur weil das Fahren mit diesen Rollern ein gewisses Gleichgewicht erfordert und diese Roller sehr anfällig für Schlaglöcher, rutschigen Asphalte, Pflastersteine, Wölbungen auf der Straße und Hindernisse sind, nein – man muss sich auch gegenüber Autos, Radfahrern und anderen eScootern sowie Fußgängern orientieren. Das fällt der jeweiligen Zielgruppe vermutlich entsprechend schwer – warum? Selbst mit Radfahrkenntnisse sind sie im Straßenverkehr ungeübt.
Achtsamkeit und Vorsicht
Der Fahrradführerschein hilft, ersetzt aber kein Verständnis von Straßenverkehr und Sicherheit z.B. bei „Vorfahrt gewähren“, „rechts vor links“ oder wenn dieser möglicherweise noch gar nicht gemacht wurde, wie z.B. bei der Integration aus dem Flüchtlings- und Kriegsgebiet. Die junge Zielgruppe muss hier herangeführt werden, Autofahrer möglicherweise informiert werden, Info-Schilder und entsprechende Hinweise kommuniziert werden.
Ampel, Vorfahrt, Geschwindigkeit, Bremsverhalten und Verkehrsführung – ein unbekanntes Gebiet
Die meisten Kinder und Jugendliche sind hier vermutlich ziemlich untrainiert. Etwas was man natürlich erst im Laufe der Zeit und spätestens beim Roller- oder PKW-Führerschein mit 16 und 18 vollständig lernt. Auch was das Beschleunigungsverhalten bergab oder das Brems- und Verzögerungsphysik angeht. Stichwort: Bremsweg.
Da diese neuen Elektro-Roller allerdings jedem mit einem Smartphone oder einem Gutschein-Link zur Verfügung stehen, können sie relativ einfach und bequem genutzt werden – Bezahlung mit Apple Pay, Paypal oder EC. Natürlich auch ohne Führerschein und wenn man eigentlich nicht genau weiß wie das richtige und sichere Verhalten im Straßenverkehr geht.
Die Folge? Reihenweise gestiegene Nachrichten, Warnungen und Unfall-Meldungen und das in allen Bundesländern:
- Praktisch, aber auch riskant – E-Scooter-Unfälle nehmen zu, https://www.n-tv.de/regionales/hessen/Praktisch-aber-auch-riskant-E-Scooter-Unfaelle-nehmen-zu-id30766000.html
- Mehr E-Scooter-Unfälle – Hessen setzt auf Prävention, https://www.mittelhessen.de/lokales/hessen/mehr-e-scooter-unfaelle-hessen-setzt-auf-praevention-5647755
- Mehr Unfälle mit E-Scootern: Die unterschätzte Gefahr, https://www1.wdr.de/nrw/verkehr/verkehrsthemen/e-scooter-unfall-gefahr-sicherheit-100.html
Gescheitertes Change-Management
Die Etablierung der eScooter zeigt eigentlich wie Change-Management NICHT funktioniert. Man kann ein neues Fahrzeug nicht einfach auf die Straße stellen und dann der Gesellschaft überlassen. Insbesondere wenn es Kindern und Jugendlichen sowie jedem mit einem Zahlungsmittel wie einem Smartphone zugänglich ist, Freifahrten mit Gutscheinen und Rabatt-Codes gibt. Teilweise sind viele Kinder und Jugendliche auch zu Zweit auf diesen Rollern zu sehen – doppeltes Risiko wo oft der Fahrer die Verantwortung trägt.
Change Management braucht Prävention, Anlernung, Sicherheit und Qualität
Die Gefahren: Roller werden nicht nur wild geparkt und abgestellt, sondern eben auch auf dem Gehweg, im regulären Straßenverkehr oder zu Zweit gefahren. Manche Kinder wurden damit schon um- und angefahren.
Es kann auch schon mal passieren, das auf der Straße wo 50 km/h oder eigentlich 70 stadtauswärts jemand vor einem ein eScooter mit 22 km/h herdümpelt, den Radweg kreuzt oder mitten am Gehweg steht während man mit dem Smartphone in der Hand fast drüberstolpert oder mit dem Rollator und Rollstuhl davor steht. Auch auf dem Schotterweg und bei Nacht sind die eScooter zu sehen.
eScooter-Fahren will gelernt sein
Nicht nur die Orientierung im Straßenverkehr, zwischen Autos, Fahrrädern und zwischen anderen eScooter-Fahrern ist das Problem, sondern eben auch in der Fußgängerzone oder beim Abstellen. Die Folge: eScooter stehen überall auf den Straßen herum, mitten am Gehweg oder liegen im Rasen. Etwas, was eigentlich so nicht geht. Sie fallen auch teilweise im Wind um oder werden scheinbar umgeschubst – was ggf. die technische Funktionsfähigkeit beeinträchtigt.
Viel schlimmer und gefährlicher ist aber vermutlich die Sturzgefahr oder was passiert, wenn man ein Schlagloch, Radfahrer oder PKW übersieht.

Neue Mobilität: Sich selbst überlassen
Gleichzeitig wird die Verantwortung vermutlich in Richtung der Eltern gespielt, die scheinbar überall ein wachsames Auge haben sollen und müssen. Andererseits wird man dann als „Helikopter-Eltern“ verspottet und belächelt.
Dabei kann ein Sturz mit einem solchen Roller ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen. Von einer Kollision mit einem Radfahrer, Fußgänger oder einem technischen Defekt und Fehlbedienung mal abgesehen. Vielleicht macht ein eScooter-Lehr-Projekt sinn? Bei dem man das Fahren und technische Überprüfen sowie Bremsverhalten und Fahren im Straßenverkehr lernt.


Gar nicht so kostengünstig
Wir haben die eScooter getestet und wenn es auch mit dem Gutschein-Code QICK20 hier in Kassel einen 20 €-Gutschein bei 5 € Aufladung gibt und bei Freundes-Empfehlungen kostenlose Fahrten gibt, dann verlangt der Anbieter für jede Fahrminute rund 25 Cent.
Vorsicht vor der Preis- und Abofalle
Ein Minutenpreis der erstmal nicht nach viel aussieht, allerdings zeigt die Realität das eine Fahrt im eScooter aus der Stadt Kassel ins Wohngebiet mit ca. 2-3 km Fahrtweg etwa mit 3,50 € in die Kasse schlägt. Einen ähnlichen Preis kostet das Busticket. Risikoreicher ist aber vermutlich die Abofalle bei der Nutzung eines solchen eGeräts. Schnell sind hier bei 30 Minuten Fahrt oder beim falschen Abstellen einige 10 Euro fällig. Etwas das ins Taschengeld oder bei der Pendlerfahrt natürlich auch ins Geld geht und sich dann nicht mehr rentiert.
Für die Freizeit, Fahrspaß und gelegentliche Fahrt bei richtiger Bedienung super OK!
Möglicherweise ein Preis der sich im Laufe der Zeit und durch Mehrnutzung noch senkt, dauerhaft jedoch mit diesem Angebot eher kein Fahrtmittel was die Kosten oder Ökobilanz senkt, sondern eher ein kurzfristiges Freizeitgerät.
Was kann man tun?
- Schrittweise beginnen: vom normalen Roller über Fahrtraining bis hin zum Trainieren der Motorik
- Infovideos verteilen – über Grundlagen im Straßenverkehr bis hin zu Orientierung auf Fußgängerwegen
- Hinweise auf Risiken und wie man sie vermeidet (Kollisionsgefahr beachten, auf Schlaglöcher und Bordsteinkaten achten, vorausschauend die 3-5 Meter der Straße vor dem Roller im Auge behalten: Straße scannen, nicht zu Zweit auf dem Roller fahren, sondern einzeln buchen)
- Informationen über die Schulen, Schilder, App und soziale Medien verteilen – Gesellschaft mit Presse und Medien vorbereiten
- Regeln definieren und kommunizieren: wo darf wie geparkt und gefahren werden – Beispiele geben