Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung werden oft missverstanden und stigmatisiert.
Sie gelten als schwierig, impulsiv oder sogar schwer einschätzbar. Hinter diesen Zuschreibungen verbirgt sich für Betroffene jedoch meist etwas ganz anderes: Ein emotionaler Schmerz oder das Gefühl nicht verstanden zu werden, sich alleine zu fühlen oder mit starken Gefühlen, die 7fach stärker sein können als bei anderen, nicht umgehen zu können.
In diesem Blogartikel geht es um Borderline und wir möchten Sie auf Audiofolge 8 aus dem Podcast „Change – Freude an Veränderung„ aufmerksam machen. Ein Interview mit der Borderline-Betroffenen Ally (Name anonymisiert), die über Ihre Erkrankung spricht, den Leidensweg beschreibt und erklärt, was wirklich hilft.
Was ist Borderline?
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine psychische Störung, die unter anderem durch starke emotionale Schwankungen, Schwierigkeiten in Beziehungen, ein instabiles Selbstbild und impulsives Verhalten gekennzeichnet sein kann.
Typische Merkmale sind:
- starke Stimmungsschwankungen
- intensive zwischenmenschliche Beziehungen
- große Angst vor Verlassenwerden
- impulsive Handlungen
- Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation
- Gefühle von innerer Leere
- ein schwankendes Selbstwertgefühl
Wichtig: Nicht jeder Betroffene zeigt alle Symptome, und die Ausprägungen können sehr unterschiedlich sein.
Mehr als „schwieriges Verhalten“
Was Außenstehende häufig als Überreaktion wahrnehmen, erleben Betroffene oft als überwältigende emotionale Realität.
- Kritik kann sich wie Ablehnung anfühlen.
- Distanz kann Angst auslösen.
- Konflikte können starke Verzweiflung hervorrufen.
Das bedeutet nicht, dass Menschen mit Borderline manipulativ oder absichtlich schwierig sind. Viele leiden selbst erheblich unter ihren Gefühlen und Reaktionen.
Woher kommt Borderline?
Die Ursachen sind komplex.
Heute geht man davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken können:
- genetische Einflüsse
- neurobiologische Besonderheiten
- belastende Kindheitserfahrungen
- Vernachlässigung
- Traumatisierungen
- instabile Bindungserfahrungen
Nicht jeder Mensch mit belastenden Erfahrungen entwickelt Borderline. Ebenso hat nicht jeder Betroffene eine Traumageschichte. Die Entstehung ist individuell.
Nicht nur die Suche nach Aufmerksamkeit
Ally hat uns im Vorfeld zum Interview berichtet, das „Borderline“ sich in der Hirnstruktur und z.B. durch Untersuchungen im MRT nachweisen lässt. Es ist also nicht etwas wo jemand nach Aufmerksamkeit oder Bedeutung sucht, sondern was medizinisch entsprechend nachgewiesen werden kann.
Sie erklärt auch, das Borderline stark stigmatisiert wird und mitunter einer der stark stigmatisierenden Erkrankungen ist. Patrick hat in Podcast-Folge Nummer 1 erklärt wir er im Coaching damit umgeht. Das ist eine ganz andere Herangehensweise als z.B. klassische Therapie und ersetzt das auch nicht.
Wichtig ist also zu verstehen, das Coaching stark Problem- und Lösungsorientiert agiert und meistens da ansetzt wo Therapie nicht oder nur in kleinen Elementen funktioniert hat und oft eine berufliche Ausrichtung hat.
Kann sich Borderline verändern?
Die kurze Antwortet lautet „Ja„. Die gute Nachricht ist, dass Menschen mit Borderline lernen können, ihre Gefühle besser zu regulieren und stabile Beziehungen aufzubauen.
Insbesondere spezialisierte psychotherapeutische Verfahren haben in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Viele Betroffene erleben im Laufe ihres Lebens deutliche Verbesserungen ihrer Symptomatik.
Was Angehörige wissen sollten
Angehörige stehen oft vor einer großen Herausforderung.
Hilfreich ist es,
- klare Grenzen zu setzen,
- Verhalten und Person zu unterscheiden,
- Verständnis zu entwickeln, ohne alles zu tolerieren,
- und gleichzeitig auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.
Mitgefühl bedeutet nicht Selbstaufgabe.
Borderline aus Coaching-Sicht
Coaching kann Menschen dabei unterstützen, ihre Ressourcen, Ziele und Handlungsmöglichkeiten zu stärken.
Bei einer diagnostizierten Borderline-Persönlichkeitsstörung ersetzt Coaching jedoch keine Psychotherapie.
Gerade bei schweren Belastungen oder Krisen ist professionelle therapeutische Unterstützung wichtig.
Coaching kann helfen und unterstützen. Zudem gibt es spezialiserte Kliniken für Borderline.
Fazit
Menschen mit Borderline sind nicht ihre Diagnose.
Hinter den emotionalen Schwankungen stehen oft Menschen mit einer hohen Sensibilität, einem starken Bedürfnis nach Verbindung und einer langen Geschichte emotionaler Belastungen. Auch eine starke Empathie und emotionale Intelligenz. Menschen mit Borderline sind teilweise sehr intelligent und weitsichtig, sozial interaktiv und können sowohl gut führen als auch organisieren.
Verständnis für diese Erkrankung bedeutet nicht, problematisches Verhalten gutzuheißen.
Verständnis bedeutet, den Menschen hinter dem Verhalten zu sehen.
🎙️ Passend dazu:
In der Podcast-Folge 8 zum Thema Borderline spreche ich mit Ally über typische Merkmale, häufige Missverständnisse und die Frage, wie Betroffene und Angehörige besser verstehen können, was hinter den emotionalen Herausforderungen steckt. In Podcast-Folge 1 beschreibe ich, wie ich als Coach an die Sache herangehen würde, wenn ich weiß, das es schon Therapien gab, die zuvor gescheitert sind.
👉 Hier geht’s zur Audio-Show: Folge 8 – Borderline-Betroffene Ally berichtet
Zitat zum Abschluss
„Menschen mit Borderline sind nicht zu viel.
Sie fühlen manchmal einfach 7x mehr, als alle anderen.“