Die Frage nach der Kerosinknappheit im Jahr 2026 ist extrem real, aber sie ist weniger ein Problem der Menge an Öl auf der Welt, sondern ein massives Problem der Logistik, Raffineriekapazitäten und der geopolitischen Lage.
Hier sind die drei Hauptgründe, warum Kerosin aktuell knapp und teuer ist:
1. Geopolitische Blockaden (Der Nahe Osten & Osteuropa)
Die Luftfahrt hängt an einem seidenen Faden globaler Lieferketten.
- Sperrungen: Durch die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten sind wichtige Handelsrouten (wie das Rote Meer und der Suezkanal) für Tanker riskant oder unpassierbar geworden. Umwege um Afrika herum dauern Wochen länger und verteuern den Treibstoff massiv.
- Sanktionen: Der Wegfall russischen Öls und die eingeschränkte Verarbeitung in osteuropäischen Raffinerien haben ein Loch in die Versorgung gerissen, das bisher nicht vollständig gestopft werden konnte.
2. Das Raffinerie-Dilemma
Dies ist der technische Flaschenhals. Eine Raffinerie kann nicht einfach „nur Kerosin“ herstellen. Aus einem Barrel Rohöl entstehen immer feste Anteile an Benzin, Diesel und Kerosin.
- Veraltete Anlagen: Viele Raffinerien in Europa und den USA wurden während der Pandemie stillgelegt oder auf Biotreibstoffe umgerüstet. Die verbliebenen Anlagen laufen am Limit.
- Priorisierung: Wenn die Nachfrage nach Heizöl oder Diesel im Winter steigt, priorisieren Raffinerien oft diese Produkte, was das Angebot an Jet-A1 (Kerosin) weiter verknappt.
3. Die SAF-Transformation (Sustainable Aviation Fuel)
Die Branche steckt in einer Übergangsphase. Fluggesellschaften sind gesetzlich verpflichtet, dem fossilen Kerosin einen immer höheren Anteil an nachhaltigem Kraftstoff (SAF) beizumischen.
- Produktionslücke: Die Produktion von SAF kommt bei weitem nicht hinterher. Das führt dazu, dass herkömmliches Kerosin extrem nachgefragt bleibt, während das teure SAF die Gesamtkosten für Airlines nach oben treibt.
Was bedeutet das konkret für Endkunden und Reisende?
Die Knappheit äußert sich meistens nicht darin, dass Flugzeuge am Boden bleiben müssen (obwohl das bei kleineren Regionalflughäfen 2025/26 vereinzelt vorkam), sondern in:
- Explodierenden Ticketpreisen: Airlines geben die Treibstoffzuschläge direkt an die Kunden weiter.
- „Tankering“: Flugzeuge tanken an Flughäfen, wo Treibstoff noch verfügbar und „günstiger“ ist, so viel wie möglich, auch wenn das Zusatzgewicht den Verbrauch wieder erhöht – ein ökologischer Teufelskreis.
- Streckenstreichungen: Unrentable Kurzstrecken werden zuerst gestrichen, wenn die Spritkosten die Marge auffressen (wie wir es gerade bei der Umstrukturierung der Lufthansa-Töchter sehen).
Zusammenfassend: Die Knappheit ist absolut real, wird aber eher durch den Preis und logistische Engpässe geregelt als durch leere Zapfhähne am Gate. Es ist ein „Mangel an bezahlbarem Sprit am richtigen Ort„.
Glaubst du, dass die hohen Preise die Menschen langfristig vom Fliegen abhalten werden, oder ist das Bedürfnis nach Mobilität stärker als der Preisdruck?
1 Gedanke zu „Wie real ist die Kerosinknappheit?“
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